Pornografie [zu griechisch pórnē »Hure« oder pórnos »Hurer« und gráphein »schreiben«, »zeichnen«] die, -, ursprünglich die Beschreibung von Leben und Sitten der Prostituierten und ihrer Kunden, im Laufe der Jahrhunderte zum Begriff für die

(34 von 234 Wörtern)
Möchten Sie Zugriff auf den vollständigen Artikelinhalt?

Rechtliches

Der Begriff Pornografie hat erstmals 1974 durch ein Gesetz zur Reform des Sexualstrafrechts (Sexualdelikte) Eingang in die deutsche Gesetzessprache gefunden. Während § 184 StGB bis dahin ein generelles Verbreitungsverbot für »unzüchtige« Schriften vorsah und der Aufrechterhaltung allgemeiner Sittlichkeitsvorstellungen diente, sollte die Neufassung der Bestimmung, soweit sie einfache Pornografie betraf, nur zwei eng begrenzten Zielen dienen: dem Jugendschutz und dem Schutz (auch Erwachsener) vor unverlangter Konfrontation mit Pornografie. Auch um diesen Wandel zu verdeutlichen, wurde der Begriff »unzüchtig« durch »pornografisch« ersetzt. Dass

(80 von 1002 Wörtern)

Kulturhistorische Aspekte

Pornografische Darstellungen sind aus allen Epochen und Kulturen überliefert. Entstehung und Entfaltung des modernen Phänomens Pornografie sind in umfassende gesellschaftliche Prozesse eingebunden, die den Beginn der Moderne bestimmten und zu einem tief greifenden Wandel des Sexualverhaltens in der westlichen Zivilisation führten. Hauptmerkmal dieser Transformation war der ständig wachsende Druck, Sexualität von aller übrigen Erfahrung abzutrennen, durch Isolierung, Distanzierung, Internalisierung und Verdrängung (N. Elias). Der Verschärfung der Anstandsregeln, der Zensierung erotischen Vokabulars und der Heraufsetzung der Schamschwellen entsprach im Gegenzug eine Vervielfachung

(80 von 841 Wörtern)

Die Entwicklung in Deutschland

In Deutschland setzte eine Verschärfung der staatlichen Pornografiekontrolle erst in der wilhelminischen Ära ein. Für umfassendere Verbots- und Kontrollmaßnahmen engagierten sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts v. a. die bürgerliche Jugendschutz- und Volksbildungsbewegung wie auch verschiedene Sittlichkeitsvereine, so der 1898 gegründete »Kölner Männerverein zur Bekämpfung der öffentlichen Unsittlichkeit« (seit 1926 »Volkswartbund«) und der 1901 gegründete »Volksbund zur Bekämpfung des

(57 von 401 Wörtern)

Deutungsmuster

Pornografie hat in verschiedenen Epochen und Kulturen Bedeutungen und Funktionen, die nicht zu trennen sind von der Geschichte der Sexualität und der das Sexualleben regulierenden sozialen Verhaltensnormen, moralischen Leitlinien und gesetzlichen Regelungen. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts wurde Pornografie in Westeuropa und Nordamerika überwiegend als sittliche Normverletzung definiert und mit Obszönität oder Unzucht gleichgesetzt. Auch heute wird der Begriff häufig in negativer, abwertender Bedeutung verwendet. Im herkömmlichen Sprachgebrauch gilt als pornografisch, was schamverletzend ist und sexuelle Erregung zu stiften

(80 von 664 Wörtern)

Werke

Weiterführende Literatur:

S. Marcus: Umkehrung der Moral. Sexualität u. Pornographie im viktorianischen England (aus dem Amerikanischen, 1979);
Die Politik des Begehrens. Sexualität, Pornographie u. neuer Puritanismus in den USA, hg. v. A. Snitow (aus dem Amerikanischen, 1985);
H. Selg: Pornographie. Psychologische Beiträge
(38 von 271 Wörtern)

Quellenangabe
Brockhaus, Pornografie. http://brockhaus.de/ecs/enzy/article/pornografie