Homosexualität [griechisch, lateinisch], Homophilie, Homo|erotik, von Karl Maria Benkert 1869 eingeführte Bezeichnung für die Form der sexuellen Orientierung, bei der ein

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Entstehungstheorien

Über die Entstehung der Homosexualität besteht Unklarheit, obwohl es zahlreiche, sehr verschiedene Erklärungsversuche gibt. Neuere sexualwissenschaftliche Theorien gehen davon aus, dass Menschen mit einem offenen sexuellen Potenzial (Bisexualität) ausgestattet sind und die Übergänge zwischen polaren Formen der Sexualität fließend sind. In psychoanalytischer Sicht wird die Disposition zur Homosexualität bereits in der frühen Kindheit angelegt und geht mit dem Aufbau einer spezifischen Persönlichkeitsstruktur einher, während die Selbstakzeptanz als »Coming-out« in der

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Gegenwärtige Situation

Auf das unter dem Nationalsozialismus erlebte Trauma reagierten viele Homosexuelle mit einer verstärkten Anpassung an die gängigen Normalitätsvorstellungen. Erst in den 1970er-Jahren entstand (nach der Reform des § 175), u. a. in Anlehnung an die amerikanische Gay-Rights-Bewegung, in der Bundesrepublik Deutschland eine homosexuelle Emanzipationsbewegung. Seitdem haben v. a. jüngere Homosexuelle ein neues Selbstbewusstsein entwickelt, bezeichnen sich offen als »Schwule« und kämpfen für den Abbau der

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Kulturgeschichte

Obwohl das Phänomen der Homosexualität in allen Kulturen und Gesellschaftsformen existiert, wurde es überwiegend als Ausnahme von der Regel, häufig als Stigma und mehr oder weniger geächtete Abweichung von der Norm bewertet. Gleichwohl hat es in vielen Gesellschaften institutionalisierte Formen der Homosexualität gegeben. Vor allem im kultisch-religiösen Bereich fiel der Homosexualität in frühgeschichtlichen Kulturen eine wichtige Rolle zu, so bei der Knabeninitiation, der Tempelprostitution und in Verbindung mit Schamanismus. Auch ethnologischen Forschungen zufolge (C. S. Ford, F. A. Beach) wurde gleichgeschlechtlicher Verkehr

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Recht

In zahlreichen deutschen Ländern war der homosexuelle Verkehr zwischen erwachsenen Männern bis 1871 nicht strafbar. Das Reichsstrafgesetzbuch (RStGB; § 175) vom 15. 5. 1871 bestimmte jedoch, dass »widernatürliche Unzucht zwischen Personen männlichen Geschlechts« mit Gefängnis zu bestrafen ist. Literatur und Rechtsprechung legten diese Bestimmung dahin gehend aus, dass sie allein beischlafähnliche Handlungen unter Strafe stelle. Mit der Neufassung des § 175 (Strafrechtsnovelle vom 28. 6. 1935) wurde die Strafbarkeit der

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Werke

Weiterführende Literatur:

M. Dannecker u. R. Reiche: Der gewöhnliche Homosexuelle. Eine soziologische Untersuchung über männliche Homosexuelle in der Bundesrepublik
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Quellenangabe
Brockhaus, Homosexualität. http://brockhaus.de/ecs/enzy/article/homosexualität