Reisen [zu althochdeutsch rīsan »sich erheben«, »sich von unten nach oben bewegen«]

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Geschichte des Reisens

Bis zum Aufkommen des modernen Tourismus im 17. und 18. Jahrhundert wurden die meisten Reisen nicht zum Vergnügen, sondern aus praktischen Interessen, aus religiösen Motiven, aus Notwendigkeit oder Zwang durchgeführt. Dass Reisen in erster Linie als mühevoll angesehen wurde, zeigt sich noch in der Etymologie des englischen »travel« (verwandt mit französisch travail »Arbeit«, »Mühe«) und in der frühen Nebenbedeutung von »leiden« als »gehen«, »reiten«, »fahren«.

Bereits im 3. Jahrtausend v. Chr. sind sowohl im ägyptischen Pharaonenreich als auch in Mesopotamien ausgedehnte Reisen von

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Reiseerfahrung und Reise als Metapher

Das Bild der Reise ist eine der verbreitetsten Metaphern für die Auseinandersetzung mit dem Unbekannten und für die individuelle Entfaltung. Darüber hinaus haben Reiseerfahrungen fundamentale Bedeutung für die Entwicklung des modernen Systems der Wissenschaften

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Das Reisen in Mythos und Religion

In einer klassischen Untersuchung hat der Ethnologe A. v. Gennep als besonderes Merkmal von Übergangsriten (»rites des passage«) – z. B. Pubertätsriten, Hochzeitsfeiern, Begräbnissen – den Dreischritt von Trennung, Umwandlung und Wiedereingliederung skizziert. Die zentrale Umwandlungsphase ist dabei ein Abschnitt grundlegend neuer, das Alltagsleben transzendierender Erfahrungen. Nach der Trennung von der gewohnten Umgebung sind jetzt die normalerweise geltenden sozialen Regeln aufgehoben. Die Teilnehmer an den Riten verhalten sich in einer Weise, die gewöhnlich nicht zulässig ist; ihre Sichtweise der Welt und ihre Identität ändern

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Das Reisemotiv in Literatur und Film

Am Beginn der neuzeitlichen europäischen Literatur vermischt sich das Reisemotiv noch mit den Elementen des Mythos. In Chrétiens de Troyes Epos »Yvain« aus dem 12. Jahrhundert bricht die Hauptperson zu einer »heroischen Reise« auf. In Wolframs von Eschenbach »Parzival« (etwa 1200) macht sich der Held auf die Suche nach dem Gral. In Dantes »Göttlicher Komödie« (Anfang 14. Jahrhundert) wandert der Dichter, geführt von Vergil und seiner fernen Geliebten Beatrice, durch Hölle, Fegefeuer und Paradies. Das Motiv des Reisens bleibt aber auch nach

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Reisen im Dienst der neuzeitlichen Wissenschaft

Reisen war in zweifacher Hinsicht von elementarer Bedeutung für die Entwicklung der neuzeitlichen Wissenschaft. Zum einen lieferten Reisen zu einem erheblichen Teil die empirischen Voraussetzungen für die Theoriebildung in den Natur- und Sozialwissenschaften. Zum andern ist die notwendig distanzierte Sichtweise der Reisenden dem »objektiven« Blick der Wissenschaft eng verwandt. In diesem Zusammenhang hat der amerikanische Historiker

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Reisen heute

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist das Reisen für die Bewohner der wohlhabenden Länder zum Massenreisen geworden. In vielen Staaten der nördlichen Hemisphäre unternimmt jährlich die Mehrheit der Bevölkerung Urlaubsreisen. Die touristischen Reisen sind als Auszeit von den Zwängen der Gesellschaft zu verstehen, als vorübergehender Aufenthalt in einer

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Werke

Weiterführende Literatur:

T. Luckmann: The invisible religion. The transformation of symbols in industrial society (New York 1963);
V. Turner: The ritual process
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Quellenangabe
Brockhaus, Reisen. http://brockhaus.de/ecs/enzy/article/reisen