Türkei, türkisch Türkiye, amtlich türkisch Türkiye Cumhuriyeti [dʒʊm-]

(8 von 29 Wörtern)
Möchten Sie Zugriff auf den vollständigen Artikelinhalt?

Landesporträt

Die Türkei ist eine präsidiale Republik mit der Hauptstadt Ankara. Ein kleiner Teil im Westen gehört zu Europa, der überwiegende Teil zu Asien. Das Land grenzt im Westen ans Ägäische, im Süden ans Levantinische und im Norden ans Schwarze Meer. Es

(41 von 286 Wörtern)

Geografie

(1 von 1 Wörtern)

Landschaft

Die Türkei grenzt im Norden an das Schwarze Meer, im Süden an das Levantinische Meer und im Westen an das Agäische Meer. Die Wasserstraßen Bosporus und Dardanellen verbinden das Schwarze und das Ägäische Meer. Gleichzeitig trennen sie die europäische Türkei von der asiatischen. Die europäische Türkei grenzt im Westen an Griechenland

(51 von 338 Wörtern)

Klima

In der Türkei, insbesondere im Bereich der Süd- und Westküste, herrscht Mittelmeerklima mit insgesamt milden, feuchten Wintern und trockenen, heißen Sommern. In den

(23 von 155 Wörtern)

Vegetation

Das Klima bestimmt weitgehend die Vegetation. Wald bedeckt rd. 15 % der Fläche, ist

(13 von 92 Wörtern)

Gesellschaft

(1 von 1 Wörtern)

Bevölkerung

Etwa 75 % der Bevölkerung sind Türken. Die bis zum Ersten Weltkrieg sehr starke christliche Minderheit und die Gruppe der Juden sind heute unbedeutend, beide leben vorwiegend in Istanbul (etwa 18 000 Griechen, etwa 68 000 Armenier). Die Kurden in der Türkei (etwa 19 % der Gesamtbevölkerung) sind offiziell nicht als

(47 von 323 Wörtern)

Religion

Die Verfassung (Artikel 2) bestimmt die Türkei als laizistischen Staat; Artikel 24 garantiert die Religionsfreiheit, räumt allen Staatsbürgern unabhängig von ihrem religiösen Bekenntnis die gleichen Rechte ein und unterstellt die Tätigkeit der Religionsgemeinschaften der staatlichen Kontrolle. Diese erfolgt

(36 von 253 Wörtern)

Politik und Recht

(1 von 1 Wörtern)

Politik

Die Verfassung von 1982 bezeichnete die Türkei als parlamentarische Republik und fixierte Gewaltenteilung sowie Grundrechte und -pflichten. In einem Referendum 2017 stimmte jedoch nach Angaben der Wahlkommission eine knappe Mehrheit der

(31 von 216 Wörtern)

Nationalsymbole

Die Nationalflagge wurde bereits 1793 geschaffen und am 29.10.1923 von der Republik übernommen. In der

(15 von 105 Wörtern)

Parteien

Seit 1983 existiert ein durch zahlreiche politische Auflagen reguliertes Mehrparteiensystem. Bei

(11 von 70 Wörtern)

Gewerkschaften

Türkischen Gewerkschaften ist politische Betätigung untersagt. Anerkennung, Tarif-, Streik- und Demonstrationsrecht sind restriktiv geregelt.

(14 von 95 Wörtern)

Militär

Der Wehrpflichtarmee (Dauer des Grundwehrdienstes 12 Monate) gehören etwa 355 000 Mann

(11 von 33 Wörtern)

Verwaltung

Die Türkei ist stark zentralistisch organisiert. Es bestehen 81 Provinzen (İl), davon sind

(13 von 87 Wörtern)

Recht

Aufsichtsorgan über die Justiz ist der Rat der Richter und Staatsanwälte. Der Rat besteht aus 13 Mitgliedern (6 vom Präsidenten ernannt, 7 vom Parlament gewählt).

Der Aufbau der ordentlichen Gerichtsbarkeit ist seit 2005 dreistufig. Erstinstanzliche Gerichte sind Friedens- und Amtsgerichte für Zivil- und Strafsachen sowie Spezialgerichte

(46 von 322 Wörtern)

Bildungswesen

Das säkulare Bildungswesen der Türkei orientiert sich an westlichen Vorbildern. Wegweisend waren die Einführung der lateinischen Schrift (1928) anstelle der arabischen und die Ausklammerung des Koranunterrichts aus

(27 von 192 Wörtern)

Medien

Trotz verfassungsmäßiger Verankerung ist die Pressefreiheit eingeschränkt und Journalisten sind immer wieder Repressionen bis hin zu Haft und Folter ausgesetzt. Seit dem Putschversuch 2016 wurden etwa 200 Medien geschlossen, weil sie laut Regierung den Kurden oder der Gülen-Bewegung nahestanden. Insbesondere regierungskritische und

(42 von 297 Wörtern)

Wirtschaft

(1 von 1 Wörtern)

Wirtschaft

Die türkische Wirtschaft ist geprägt durch ein starkes Gefälle zwischen dem industriell entwickelten Westen und dem strukturschwachen, vor allem agrarisch ausgerichteten Osten sowie auch in Westanatolien zwischen städtischen Zentren und ländlicher Peripherie. International bestimmen stärkere Hinwendung zu Russland und Ausdehnung der türkischen Einflusssphäre auf den zentralasiatischen und kaukasischen

(48 von 338 Wörtern)

Landwirtschaft

Obwohl der Anteil des Agrarsektors am BIP von (1980) 23 % auf (2017) 6,8 % sank, kommt diesem Wirtschaftsbereich eine vergleichsweise hohe Bedeutung zu; 2016 waren immer noch 18,4 % der Erwerbstätigen in diesem Bereich beschäftigt. Etwa die Hälfte der Landesfläche wird agrarisch genutzt. Davon ist mehr

(44 von 310 Wörtern)

Bodenschätze

Die Türkei verfügt über eine Reihe verschiedener Bodenschätze und gehört zu

(11 von 45 Wörtern)

Energiewirtschaft

Bedeutendster Energieträger ist das größtenteils aus Russland und Iran importierte Erdgas

(11 von 76 Wörtern)

Industrie

Seit den 1960er-Jahren hat die Industrialisierung bedeutende Fortschritte gemacht, so dass der verarbeitende Sektor (BIP-Anteil 2017: 32,3 %; Beschäftigtenanteil 26,6 %) allein

(20 von 138 Wörtern)

Dienstleistungssektor

Der Anteil des Dienstleistungssektors am BIP (2017: 60,7%) hat sich in den letzten Jahren stetig vergrößert und hat vor allem im Handel und Gastgewerbe das höchste Wachstum aller Branchen erreicht. Wichtig sind weiterhin Logistik und Kommunikationswesen.

image/jpeg

Nationalpark Göreme in Kappadokien.

(42 von 299 Wörtern)

Verkehr

Der Verkehrsraum Türkei wird bestimmt durch eine verstreut lebende Bevölkerung, große Distanzen zwischen den Wirtschaftsräumen, eine lange Küstenlinie und die Lage zwischen Europa und dem

(25 von 173 Wörtern)

Geschichte

Die Vorgeschichte und vorosmanische Geschichte hat das Gebiet der asiatischen Türkei

(11 von 15 Wörtern)

Von den Anfängen der Turkisierung Anatoliens bis zur Einnahme Konstantinopels (1071–1453)

Ausgangspunkt der Turkisierung und Islamisierung des heutigen Staatsgebiets der Türkei wurde das Sultanat der anatolischen Seldschuken (Rumseldschuken) um Konya und Kayseri. Dieses entstand nach dem Einfall der Großseldschuken (Seldschuken) unter Sultan Alp Arslan in das bisher größtenteils byzantinische Kleinasien (Sieg bei Mantzikert über Kaiser Romanos IV. Diogenes, 1071). Im Gefolge der Seldschuken drängten türkische Nomaden, überwiegend Ogusen, aber auch andere Ethnien, in großer Zahl nach Kleinasien. Dieser Zustrom sollte sich mit dem Mongoleneinfall des 13. Jahrhunderts noch verstärken. Nach dem Zerfall

(80 von 646 Wörtern)

Innere Festigung und Aufstieg zur Großmacht (1453 bis Ende 16. Jh.)

Das Reich erhielt mit Konstantinopel eine neue Hauptstadt, die durch Umsiedlung von Muslimen und Christen rasch bevölkert und zum politischen und wirtschaftlichen Zentrum des Landes wurde. Die Ernennung von Gennadios II. zum Patriarchen (Amtseinführung 1454) bedeutete für die griechisch-orthodoxe Kirche ihr gesichertes Fortbestehen als religiöse wie zivile Autorität. In den folgenden hundert Jahren erlangte das Osmanische Reich seine größte Macht und Ausdehnung (Türkenkriege). Die Voraussetzungen hatte noch Mehmed II. gelegt, als er 1459 Serbien

(74 von 525 Wörtern)

Niedergang der osmanischen Macht (Ende 16. Jh. bis 1918)

Während Selim II. (1566–74) die Macht des Reiches noch behaupten konnte und trotz der in Europa gefeierten Vernichtung seiner Flotte bei Lepanto 1571 den osmanischen Einfluss in Nordafrika (Tunesien) erweiterte, wurde unter seinen Nachfolgern die Schwäche schon deutlich. Am Ende eines 13-jährigen Krieges mit Österreich musste Sultan Ahmed I. 1606 den Kaiser als gleichrangigen Partner anerkennen. Im 6. Türkisch-Venezianischen Krieg (1645–69) wurde Kreta erobert, im Krieg gegen Polen (1672–76) Podolien und die polnische Ukraine; mit dem Vorstoß bis Wien 1683 und

(80 von 1061 Wörtern)

Das Ende des Osmanischen Reiches (1918–23)

Am 10.8.1920 unterzeichnete die Regierung des Sultans Mehmed VI. den Friedensvertrag von Sèvres, der die Auflösung des Osmanischen Reiches besiegelte. Die Alliierten beschränkten das Herrschaftsgebiet des Sultans im Wesentlichen auf Mittel- und Nordanatolien sowie auf die Umgebung von Istanbul bis zur Çatalcalinie (Çatalca). Neben Gebietsabtretungen

(45 von 317 Wörtern)

Die erste Phase der Republik (1923–45)

Am 29. 10. 1923 wurde die Republik ausgerufen (Hauptstadt: Ankara). Die Große Nationalversammlung wählte zugleich Atatürk zum Präsidenten, Mustafa İsmet Pascha (ab 1935 İsmet İnönü) zum Ministerpräsidenten. Am 3. 3. 1924 wurde das Kalifat abgeschafft, am 20. 4. 1924 eine Verfassung

(38 von 265 Wörtern)

Nach dem Zweiten Weltkrieg (1945–61)

Seit 1946 wandte sich die Türkei dem Mehrparteiensystem zu (Gründung der Demokratischen Partei; Vorsitzender M. C. Bayar). In Abkehr vom Prinzip der Autarkie verfolgte die türkische Regierung eine Politik der wirtschaftlichen Öffnung nach außen

(33 von 231 Wörtern)

Unter einer neuen Verfassung (1961–80)

Nach Verabschiedung einer neuen Verfassung (19.7.1961), die einen ausführlichen Grundrechtekatalog enthielt, wurde Gürsel Präsident (bis 1966; 1966–73 Cevdet Sunay, * 1900, † 1982; 1973–80 Fahri Korutürk, * 1903, † 1987; 1980 İ. S. Çağlayangil

(29 von 206 Wörtern)

Militärputsch und Entwicklung bis zum Ende des 20. Jahrhunderts (1980–2000)

Am 12.9.1980 putschte erneut die Armee, das Parlament wurde aufgelöst, eine Reihe von Politikern verhaftet und die Verfassung außer Kraft gesetzt. Staatspräsident und Vorsitzender des Nationalen Sicherheitsrates wurde General K. Evren, Ministerpräsident Admiral Bülent Ulusu (* 1923). Nach Billigung einer neuen Verfassung (1982), in der die kemalistischen Prinzipien noch stärker als 1961 zum Ausdruck kamen, fanden 1983 Neuwahlen statt, aus

(58 von 412 Wörtern)

Aufstieg und Regierung Erdoğans und der AKP (seit 2001)

Nach dem Verbot der Tugendpartei im Juni 2001 durch das Verfassungsgericht entstanden zwei Nachfolgeparteien; bedeutsam wurde die liberaler orientierte Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) des früheren Istanbuler Bürgermeisters R. T. Erdoğan. Im Streit um die Haltung zur EU und um den Reformkurs zur Behebung der wirtschaftlichen Schwierigkeiten (schwere Wirtschafts- und Finanzkrise seit Februar 2001) kam es im Sommer 2002 zur Regierungskrise. Nach dem Austritt prominenter Minister und Abgeordneter aus der DSP und dem damit verbundenen Verlust der absoluten Mehrheit der

(80 von 1673 Wörtern)

Kurdenkonflikt

Mit großer Härte wurde 1984/93–99 der Kampf gegen die militant-separatistische Kurdische Arbeiterpartei (PKK; gegründet 1978) in Südostanatolien und ihrem Rückzugsgebiet in Nordirak sowie deren anhaltende Guerillaaktionen geführt. Dennoch blieben die Autonomieforderungen der Kurden in Südostanatolien das größte innenpolitische Problem. Der Hochverratsprozess gegen den im Februar 1999 in Kenia verhafteten und in die Türkei verbrachten PKK-Generalsekretär A. Öcalan erschütterte die Türkei. Das ursprüngliche Todesurteil (1999) wegen »Separatismus und Gründung einer Terrororganisation« wurde 2002 nach einem Spruch des Europäischen Gerichtshofs schließlich in eine

(80 von 627 Wörtern)

Außenpolitik

Die Türkei bildete 1998 mit dem türkischen Norden Zyperns eine Freihandelszone. Im griechisch-türkischen Konflikt um Zypern sowie bei der Kontroverse um die Hoheitsrechte in der Ägäis bemühten sich die Türkei und Griechenland seit 1998/99 verstärkt um Versöhnung; 2004 wurde allerdings ein UN-Plan zur Wiedervereinigung Zyperns vom griechisch-zyprischen Bevölkerungsteil in einem Referendum abgelehnt. Im Zuge der Annäherung an die EU verbesserte sich trotz der ungelösten Zypernfrage das Verhältnis der Türkei mit Griechenland, so schlossen beide Seiten 2010 zahlreiche Kooperationsabkommen und verständigten

(80 von 971 Wörtern)

Kultur

Die ersten kulturellen Zeugnissen im heutigen Gebiet der Türkei sind Relikte aus der Steinzeit, die in den 1960er Jahren bei Şanliurfa im Osten des Landes entdeckt wurden. Die Bedeutung der von Pfeilern getragenen Räume ist ungeklärt. Überall im Land legen archäologische Ausgrabungen ganze Städte aus

(45 von 320 Wörtern)

Literatur

Lerch, W. G., Begegnung mit der Türkei: Geschichte, Kultur, Politik: Fünf Jahrzehnte zwischen Bosporus und Ararat (2019)
Huch, T., Kurdistan: Wie ein
(22 von 152 Wörtern)

Quellenangabe
Brockhaus, Türkei. http://brockhaus.de/ecs/enzy/article/turkei