Shoah, Shoa, Schoah [hebräisch ʃoˈa; »Sturm«, »plötzlicher Untergang«,

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Begriffsherkunft und Wortbedeutung

 Der Begriff Shoah bezeichnet im biblischen Hebräisch ein »Unwetter«, sowie »Verderben« oder »Unheil«  (s.u.a. Jes. 10,3 und Jes 47,11). Seit dem Mittelalter ist

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Antisemitismus als Staatsdoktrin: Vom »Judenboykott« zur fabrikmäßigen Vernichtung

Schon das »Parteiprogramm« der NSDAP von 1920 kündigte im Rückgriff auf die Forderungen des Antisemitismus des 19. Jahrhunderts den Ausschluss der Juden aus der »Volksgemeinschaft« an. In seinem Buch »Mein Kampf«

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Enteignung und Entrechtung: antijüdische Maßnahmen 1933-39

Am 1.4.1933 inszenierte die NS-Führung den Boykott jüdischer Geschäfte, der von Ausschreitungen der SA gegenüber Juden begleitet war. Die antisemitischen Maßnahmen des Staates begannen v. a. mit der Ausgliederung von Menschen jüdischer Herkunft aus der Beamtenschaft (Gesetz vom 7.4.1933; »Arierparagraph«; Rassengesetze). Durch die Nürnberger Gesetze, insbesondere durch das Reichsbürgergesetz vom 15.9.1935 mit zahlreichen Verordnungen wurde die Emanzipation der Juden (rechtliche Gleichstellung im Deutschen Reich 1871, s. dazu Judentum (Geschichte)) rückgängig gemacht. Sie verloren ihre politischen Rechte und wurden zu Staatsbürgern zweiter

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Die Vernichtung des europäischen Judentums

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges erreichte die Verfolgung der Jüdinnen und Juden eine neue Eskalationsstufe. Bereits in einer Reichstagsrede am 30. 1.1939 hatte Hitler dem angeblich zum Krieg hetzenden »Weltjudentum« den Untergang angedroht. Nach dem Überfall auf Polen verfolgte die NS-Führung verschiedene Pläne zur Deportation der verbleibenden jüdischen Bevölkerung in »Judenreservate« (1939–41; in Polen, u. a. Lublin, oder Madagaskar). Auch wenn derartige Pläne weitgehend nicht realisiert wurden, gelten sie nicht zuletzt

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Bilanz des Schreckens

Die nationalsozialistische Vernichtungspolitik führte zu einem Völkermord von beinahe unvorstellbarer Dimension,

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Die Opfer der Shoah

Die Gesamtzahl der Opfer der Shoah exakt zu ermitteln, bereitet beträchtliche Schwierigkeiten, da ein Teil der Ermordeten nur pauschal oder gar nicht registriert wurde. Mit quellenkritischen und statistischen Methoden gelang es Historikerinnen und Historikern dennoch, die Dimension des Völkermords zu definieren.

In den rund

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Die Dimension des Völkermords

Das auf der Wannseekonferenz verkündete Ziel – die Vernichtung aller Juden Europas – wurde nicht erreicht. Aber sechs Millionen Opfer machen ebenso wie die ideologischen Prämissen und die geographische Dimension das Verbrechen singulär.

Im Baltikum, in Weißrussland, in der Ukraine und auf der Krim fiel – nicht selten in Zusammenarbeit mit einheimischen Nationalisten und gefördert vom Antisemitismus einheimischer Bevölkerungsgruppen – nahezu die ganze jüdische Zivilbevölkerung der Shoah zum Opfer (über 500 000

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Die Haltung der Kirchen

Während der nationalsozialistischen Herrschaft konnten sich die Kirchen nicht zu einem offiziellen Protest gegen die Judenverfolgung entschließen. Der Antisemitismus in den Kirchen und das Interesse an der eigenen Existenz motivierten

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Erinnerung, Aufarbeitung und Gedenken

Vor dem Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg (Nürnberger Prozesse, 1945–49) sowie in zahlreichen Strafprozessen in und außerhalb Deutschlands wurden Personen, die für den Völkermord an den Juden verantwortlich waren, verurteilt. Weltweite Wirkung erlangte der Eichmann-Prozess 1960/61, weil erstmals Zeugenaussagen die

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Forschung und Dokumentation

Bis 1960/61 (Eichmann-Prozess) war die Holocaustforschung durch Auswertung der immer breiter zugänglichen Quellen um Rekonstruktion der Fakten zum Holocaust, insbesondere der Opferzahlen in den einzelnen Ländern, bemüht (u. a. L. Poliakov). Bis Mitte der 1970er-Jahre erfolgten aufgrund der Zugänglichkeit neuer, auch jüdischer Quellen erste differenziertere Gesamtdarstellungen (grundlegend u. a. G. Reitlinger, 1953, und R. Hilberg, 1961) sowie erste deutsche Analysen zur nationalsozialistischen Judenverfolgung (W. Scheffler, 1960, u. a., später v. a. M. Broszat). Neben weiteren Untersuchungen zu Ursachen, Ursprüngen, Ablauf, Verlaufsmustern, Folgen und Dimension sowie der zentralen Rolle

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Kunst und Kultur

Öffentliche Diskussion und Aufarbeitung der Shoah in Deutschland wurden nach den Nürnberger Prozessen immer wieder von außen beeinflusst, insbesondere auch durch kulturelle Ereignisse: u. a. die Veröffentlichung von »Das Tagebuch der Anne Frank« (1946), die deutschsprachige Ausstrahlung der melodramatischen US-Fernsehserie »Holocaust« (1979; Regie: M. Chomsky), die Filmdokumentation »Shoah« von C. Lanzmann (1985), der Spielfilm »Schindlers Liste« von S. Spielberg (1993; basierend auf einem Buch von T. Keneally) sowie die 1995 posthum herausgegebenen Tagebücher V. Klemperers. Bereits erinnerungskulturell angelegt war G. Anders' Auschwitz-Buch »Besuch im Hades« (1979).

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Literatur

Quellen: 

Archives of the Holocaust. An international collection of selected documents, hg. v. H. Friedlander u. a., auf zahlreiche Bde. berechnet 
The Holocaust. Selected documents, hg. v. J. Mendelsohn u. a., 18 Bde. (1982).

Historiografie:

P.HayesWarum?. Eine Geschichte des Hoocaust (2018);
C. Gerlach: Der Mord an den europäischen Juden. Ursachen, Ereignisse, Dimensionen (2017);
T. Snyder: Black Earth. Der Holocaust u. warum er sich wiederholen kann (aus dem Englischen, 2015); 
Die Yad
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Quellenangabe
Brockhaus, Shoah (Holocaust). http://brockhaus.de/ecs/enzy/article/shoah-20