Privatisierung, im weiteren Sinn die Verlagerung staatlicher Aktivitäten in den privaten Wirtschaftsbereich, im engeren Sinn die Überführung von Staatseigentum (v. a. öffentliche Unternehmen) in Privateigentum (Privatisierung des Eigentums am Kapital) durch Verkauf von Beteiligungen über die Börse, durch Nichtbeteiligung des

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Ökonomische und politische Aspekte

Privatisierungs- und Verstaatlichungsmaßnahmen werden nicht (nur) auf der Grundlage wirtschaftswissenschaftlicher Analysen getroffen, sondern sind in hohem Maße durch Ideologien, budgetpolitische Notwendigkeiten und wahltaktische Überlegungen bestimmt. Die Ursachen für die Entstehung eines größeren Bereiches öffentlicher Unternehmen in den meisten westlichen Demokratien reichen von dem fiskalischen Ziel der Mittelbeschaffung (Finanzmonopol) über die bewusste staatliche Einflussnahme auch bei »normalen« privaten Gütern aus verteidigungspolitischen Gründen, zur Sicherung »nationaler Interessen« gegen unerwünschte ausländische Einflüsse oder aus struktur- und regionalpolitischen Gründen bis zu Fällen allokativen Marktversagens

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Unternehmensprivatisierung in Deutschland

In der Bundesrepublik Deutschland wurde die Privatisierung öffentlicher Unternehmen v. a. vom Bund betrieben. Da nach 1945 keine umfassende Verstaatlichung stattgefunden hatte, war das Privatisierungspotenzial vergleichsweise gering, und die Privatisierungsmaßnahmen verliefen unspektakulärer als in anderen Ländern. Während in der ersten Privatisierungsperiode des Bundes (1959–65) die vermögenspolitische Absicht im Vordergrund stand (Ausgabe von Volksaktien – z. B. für Preussag AG, Volkswagen AG und VEBA AG – in kleiner Stückelung, Beschränkung des Ersterwerbs auf Bezieher kleiner Einkommen und Festsetzung eines »sozialen« Ausgabekurses), wurde in der

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Privatisierung der Infrastruktur

Vor dem Hintergrund knapper öffentlicher Mittel verstärkten sich in den letzten Jahren Überlegungen, bei der notwendigen Erneuerung und dem Ausbau der Infrastruktur (auf kommunaler Ebene v. a. die Abwasserentsorgung, auf staatlicher Ebene v. a. der Verkehrsbereich) staatliche durch private Aktivitäten zu ersetzen und sich durch »öffentlich-private Partnerschaften« (Public-private-Partnership) Kapital und Wirtschaftlichkeitsvorteile des Privatsektors nutzbar zu machen. Diskutiert werden im

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Privatisierung in anderen Ländern

In Österreich waren durch Verstaatlichungsgesetze von 1946 und 1947 große Teile der Industrie sowie die drei größten Kreditinstitute und die Elektrizitätswirtschaft gegen spätere Entschädigung der bisherigen Eigentümer in Staatseigentum überführt worden. Die Anteilsrechte an den meisten verstaatlichten Industrieunternehmen liegen seit 1970 bei der Österreichischen Bundes- und Industriebeteiligungen GmbH (ÖBIB). Die Österreichische Elektrizitätswirtschafts-AG (Verbund AG) verwaltet die Bundesbeteiligungen an der Elektrizitätswirtschaft. Im internationalen Vergleich machte die Privatisierungstätigkeit in Österreich lange Zeit nur geringe Fortschritte, zahlreiche Vorhaben wurden mehrfach verschoben oder aufgehoben,

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Privatisierung und Systemwandel

Eine besondere Rolle spielte die Privatisierung im Rahmen der Transformation zur Marktwirtschaft in den ehemaligen Planwirtschaften Mittel- und Osteuropas. Während das freie Spiel von Angebot und Nachfrage auf Märkten durch Freigabe der Preisbildung relativ einfach sichergestellt werden konnte, war die Schaffung von Privateigentum an Produktionsmitteln durch Privatisierung der umfangreichen Staatswirtschaft weitaus schwieriger:

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Werke

Weiterführende Literatur:

M. Kolodziej: Die private Finanzierung v. Infrastruktur (1996);
Privatisierung auf kantonaler u. kommunaler Ebene. Fallbeispiele aus dem Kanton Bern
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Quellenangabe
Brockhaus, Privatisierung. http://brockhaus.de/ecs/enzy/article/privatisierung