Lesen [mittelhochdeutsch lësen, althochdeutsch lësan »auswählend sammeln«, »aufheben«, »an sich nehmen«;

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Lesen als kulturelle Schlüsselqualifikation

Sprachliche Zeichen sind, semiotisch gesehen, wie Zeichen allgemein, als bloße Zeichengestalten ohne Bedeutung; diese erhalten sie, indem ihnen Benutzer (Sprecher/Schreiber, Hörer/Leser) Bedeutung verleihen (Bedeutungskompletion). Lesen als Decodierung der vom Schreiber codierten Zeichen geht von einem gemeinsamen Code aus, der aber nicht für beide völlig identisch ist. Lesen heißt nicht, dass der Leser dem Text nur jene definierte Bedeutung mehr oder weniger korrekt »entnimmt«, die ein Schreiber ihm durch den Text »mitteilt«. Vielmehr ist Lesen eine aktive bedeutungsschaffende Tätigkeit, nicht

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Zur Geschichte des Lesens

Lesen ist eine phylogenetisch junge Fähigkeit; sie gehört nicht zur »anthropologischen Grundausstattung«, sondern ist neurobiologisch in jenen Gehirnregionen zu lokalisieren, die sich zuvor für die visuellen Pars-pro-Toto-Funktionen, wie z. B. das Spurenlesen bei der Jagd, entwickelt hatten. Von Vorformen abgesehen, liegen die Anfänge des abendländischen Lesens und Schreibens im Alten Orient: In Mesopotamien wurden seit etwa 7000 Jahren Zählsteine beziehungsweise symbolische Tonfigürchen verwendet. Aus deren abermals symbolischer Repräsentation entstand um 3300 v. Chr. die protosumerische Schrift. 1500–1000 v. Chr. entstand die semitische

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Gegenwärtige Situation und nahe Perspektiven

Seit Beginn der 1950er-Jahre gibt es in Deutschland eine empirische Lese(r)forschung; in zahlreichen empirischen Studien finden sich Aussagen über das Lesen. Über 20 Studien ermittelten, wie viele der Befragten jeweils in den letzten 4 Wochen mindestens ein Buch gelesen hatten: In den 50er- und frühen 60er-Jahren lag deren Anteil um 50 %, in den 70er- und frühen 80er-Jahren erreichte er 60 %; seither stagniert er und ist in den letzten leicht Jahren rückläufig. Der Studie „Lesen in Deutschland 2008“, der Stiftung Lesen

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Literarische Sozialisation

Lesekultur ist stets bedroht und muss gefördert werden. Dabei ist für die Erziehung zum Lesen die »Verführung zum Lesen« als wirksamer erkannt worden als andere Formen der Einflussnahme. Lesefähigkeit wird in der Regel in den ersten Grundschuljahren erworben. Lesekompetenz bildet sich im Alter von 8 bis 14 Jahren; die Entwicklung spezieller, z. B. literarischer Kompetenzen ist Sache lebenslangen Lernens. Möglicherweise ist aber die Fähigkeit, kompetentes Lesen zu erlernen, bis zu einem gewissen Grad an eine prägsame Phase in der Hirnentwicklung gebunden.

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Werke

Weiterführende Literatur:

A. Fritz u. A. Suess: Lesen. Die Bedeutung der Kulturtechnik Lesen für den gesellschaftlichen Kommunikationsprozeß (1986);
N. Groeben u. P. Vorderer: Leserpsychologie. Lesemotivation
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Quellenangabe
Brockhaus, Lesen. http://brockhaus.de/ecs/enzy/article/lesen