Solidarität [zu französisch solidarité, von lateinisch solidus »dicht«, »gediegen«, »fest«, »ganz« bzw. solidare »festmachen«] die, Begriff für eine ethisch-gesellschafts­politische Orientierung der Zusammen­gehörigkeit und des Gemeinschafts­bewusstseins von Individuen oder Gruppen.

Der Begriff, der vor dem 18. Jahrhundert nur im juristischen Sinn einer Schuld- oder Verpflichtungsgemeinschaft auftrat, wovon im Deutschen nur noch der Terminus »Solidarobligation« (Haftung jedes

(54 von 383 Wörtern)
Möchten Sie Zugriff auf den vollständigen Artikelinhalt?

Ideengeschichte und soziale Entwicklung

Funktionsäquivalent tritt der Begriff Solidarität zu dem älteren, ebenfalls im Zusammenhang der Neuzeit zunehmend säkularisierten Begriff »Brüderlichkeit« in Frankreich nach der Französischen Revolution von 1789 und dann in den sozialen Auseinandersetzungen des frühen 19. Jahrhunderts in Erscheinung. Zuvor hatte der zunächst juristisch bestimmte Begriff in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts Ausweitungen in Richtung Handelsrecht und andere wirtschaftliche Beziehungen sowie dann im Sinn einer Bestimmung allgemein moralischer Verbindlichkeiten erfahren (z. B. in der »Encyclopédie« und im Code civil). Für seine Verbreitung und Bedeutungsauffüllung hat

(80 von 870 Wörtern)

Theoriebezüge und Hintergründe

É. Durkheim hat – im Anschluss an Comte – am Ende des 19. Jahrhunderts Solidarität zu einem Grundbegriff der modernen (soziologischen) Gesellschaftsanalyse gemacht und dabei die »organische Solidarität« moderner Gesellschaften, die einerseits individualisiertes und funktionsdifferenziertes Handeln ermöglicht, zugleich aber spezielle soziale Erzeugung von Verbindlichkeiten (z. B. durch Erziehung) erfordert, von der »mechanischen Solidarität« der vorindustriellen Gesellschaften abgesetzt, in der äußerer Zwang einen Zusammenhalt der Gesellschaft mit niedriger Differenzierung

(63 von 456 Wörtern)

Aktuelle Aspekte und Tendenzen

Während in diesen Diskussionen weiterhin die Grundfrage nach dem Integrationsmodell moderner Gesellschaften und den sie tragenden Wertorientierungen im Vordergrund steht, erwächst dem Thema der Solidarität erneutes Interesse auch aus den gesellschaftlichen und ökonomischen Krisen und neuen Erscheinungsformen von Armut und Benachteiligung (Auseinanderdriften von Arm und Reich und andere Formen sozialer Desintegration im Weltmaßstab, innerhalb des »neuen« Europa nach 1990 und auch innerhalb der einzelnen europäischen Gesellschaften). Seine besondere Bedeutung und auch seine Einfärbung als Wertbegriff bezieht Solidarität freilich noch immer

(80 von 743 Wörtern)

Literatur

J. Schmelter: Solidarität. Die Entwicklungsgeschichte eines sozialethischen Schlüsselbegriffs (1991);
K. O. Hondrich u. C. Koch-Arzberger: Solidarität in der modernen Gesellschaft (Neuausgabe
(17 von 121 Wörtern)

Quellenangabe
Brockhaus, Solidarität. http://brockhaus.de/ecs/enzy/article/solidarität