Sprachpolitik, politisches Handlungsfeld, das in den letzten Jahrzehnten verstärkt ins Blickfeld einer interdisziplinären Sprachwissenschaft gerückt ist, in deren Rahmen komplexe Wechselbeziehungen zwischen politisch, historisch, völkerrechtlich, administrativ-juristisch, soziologisch und pädagogisch relevanten Aspekten einerseits sowie anthropologischen, ethnischen, nationalen, kulturellen und sprachlichen Gegebenheiten andererseits untersucht und konkrete Maßnahmen zur Beeinflussung von sprachlicher Entwicklung beschrieben werden. Vor allem im Hinblick auf die zunehmende Internationalisierung des gesamten Lebens mit entsprechenden Kontakten in den unterschiedlichsten

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Sprachpolitik als Nationalitäten- und Minderheitenpolitik

Derzeit existieren auf der Erde mehr als 190 Staaten, in denen nach unterschiedlichen Angaben zwischen 2 500 und 6 500 Einzelsprachen gesprochen werden, über 140 davon als Amtssprachen. Da somit fast alle Staaten sprachliche Minderheiten aufweisen, müssen politische Maßnahmen das sprachliche Miteinander regeln. Neben der Lösung, die Sprache der mehrheits- oder staatstragenden Gruppe zur Amtssprache zu erheben (z. B. Englisch in den USA), existieren das Modell mehrerer gleichberechtigter Sprachen (Schweiz, Kanada) und die gesetzliche Regelung v. a. in ehemaligen Kolonialstaaten, in denen autochthone (»einheimische«)

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Sprachpolitik als Mittel der Standardisierung

Nach dem Zerfall des Römischen Weltreichs behielt das Lateinische in Europa bis ins Mittelalter seine Rolle als Bildungssprache und weithin eine Monopolstellung im Hinblick auf die schriftliche Kommunikation als Urkunden- und Kanzleisprache (mittellateinische Sprache). Erst im frühen Mittelalter entstanden die ersten Schriftstücke in den jeweiligen Volkssprachen, die aber im Gegensatz zum standardisierten Lateinischen in dialektal und orthografisch sehr unterschiedlichen Ausprägungen realisiert wurden.

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Sprachverbreitungspolitik

Ein bedeutender Faktor der Sprachpolitik ist in der Förderung der jeweiligen Landessprache außerhalb des eigenen Territoriums zu sehen. Frankreich fördert gezielt die Frankofonie (sprachgesetzliche Maßnahmen zur offiziellen Sprachplanung und -pflege des Französischen), veranstaltet Kongresse frankofoner Staaten (neben dem Mutterland und Kanada in erster Linie ehemalige Kolonien in Afrika und in der Karibik) und investiert hohe Summen in die Übersetzung wissenschaftlicher Texte ins Französische. Weltweit trägt die 1883 gegründete Alliance Française zur Verbreitung des Französischen als Fremdsprache bei. Englisch als heute

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Sprache in inter- und supranationalen Organisationen

Besonders relevant ist Sprachpolitik in inter- und supranationalen Organisationen: Die (Anfang 2017) 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen begnügen sich mit einer relativ geringen Anzahl von Amtssprachen (Arabisch, Chinesisch, Englisch, Französisch, Russisch, Spanisch), von denen zwei zugleich Arbeitssprachen sind

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Sprache als Mittel der Politik

Sprachpolitik wurde seit jeher besonders von den jeweiligen Eroberern nach einer kriegerischen Inbesitznahme fremden Sprachgebiets betrieben. So wie die Römer zunächst die Oberschicht der eroberten Völker latinisierten, erschien es den christlichen Rückeroberern Spaniens bei der Reconquista selbstverständlich, neben ihrer Religion und Kultur auch ihre Sprache bei den mittlerweile arabisierten Bewohnern durchzusetzen. Während etwa die Sprachpolitik des Habsburgerreiches generell als liberal zu kennzeichnen ist, hat der französische Staat schon seit jeher versucht, seinen zentralistischen Anspruch darauf zu gründen, dass die Sprache

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Quellenangabe
Brockhaus, Sprachpolitik. http://brockhaus.de/ecs/enzy/article/sprachpolitik