Hunger [althochdeutsch hungar »Brennen«, »brennendes Verlangen«], im engeren Sinn eine (vom Ernährungszustand unabhängige subjektive) physiologische Allgemeinempfindung, die den Menschen veranlasst, Nahrung aufzunehmen, aber keinem speziellen Sinnes- oder Körperorgan zuzuordnen ist; im weiteren Sinn eine unzureichende Nahrungszufuhr hinsichtlich Quantität (Nahrungsmenge) und/oder Qualität (unzureichende Zufuhr von Nährstoffen), die zu schweren Formen

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Physiologie des Hungers

Mangelerscheinungen im Organismus bewirken adäquate Reize, die entsprechende Allgemeinempfindungen (z. B. Durst, Müdigkeit, Atemnot) hervorrufen. Gleichzeitig fungieren diese Reize aber auch als Antriebe, die darauf gerichtet sind, den bestehenden Mangel zu beheben. Nahrungsmangel führt also nicht nur zur Hungerempfindung, sondern auch zur Nahrungsaufnahme und somit durch Behebung der Mangelerscheinung zur Sicherung des Überlebens. Die Allgemeinempfindungen sind angeboren, werden jedoch durch Umwelteinflüsse modifiziert; so sind z. B. Essgewohnheiten und bevorzugte Speisen abhängig

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Hunger als Massenerscheinung

Die Ursachen des Hungers als Massenerscheinung in menschlichen Gesellschaften sind in der Regel auf eine Kombination von Faktoren zurückzuführen, die sich oft wechselseitig verstärken und zu Hungersnöten führen können. Die ereignisbezogenen Zusammenhänge können entweder naturbedingt oder durch menschliches Handeln bestimmt sein und so auf spezifische Weise eine oft ohnehin prekäre Ernährungssituation weiter destabilisieren und krisenhaft zuspitzen.

Zu den natürlichen Ursachen des Hungers zählen v. a. länger dauernde klimatische Veränderungen und extreme Klimaereignisse, die allerdings immer häufiger mit aus menschlicher Tätigkeit resultierenden

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Hunger als globale Herausforderung

Hunger als grundlegendes Menschheitsproblem betrifft in wechselnden historischen sozialen Konstellationen alle Kontinente und hängt Anfang des 21. Jahrhunderts v. a. mit dem Nord-Süd-/West-Ost-Gefälle, Massenarmut in der Dritten Welt und dem Wachstum der Weltbevölkerung von 1,2 % im Jahr zusammen. Infolge des Agrarinterventionismus der Industrieländer sind die Weltagrarmärkte nach wie vor von hohen Überschüssen und tiefen Preisen geprägt; technisch-biologischer Fortschritt (v. a. Pflanzenzüchtung, besonders Hochleistungssaatgut) trägt zur Marktverzerrung zum Teil noch bei. Hohe Subventionen der industriell entwickelten Länder für ihre Agrarerzeugnisse und ihren Export landwirtschaftlicher

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Strategien gegen den Hunger und Perspektiven für seine Überwindung

Wurde in früheren Erklärungsmustern das Hungerproblem in der Welt eng mit den Phänomenen der Bevölkerungsexplosion und der Armut in Verbindung gebracht, so setzte sich in den 1990er-Jahren ein differenzierteres Verständnis durch. Vor allem wird die Fortdauer des Hungers in der Welt als eine substanzielle Gefährdung der Stabilität internationaler Beziehungen bewertet, die im Zeitalter der Globalisierung und weltweiter Interdependenz gesellschaftlicher Entwicklungen und Strukturveränderungen den Staaten ein hohes Maß an Verantwortung auferlegt. Die internationale Gemeinschaft orientiert sich mit Blick auf den globalen

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Werke

Weiterführende Literatur:

J. Collins u. F. Lappé: Vom Mythos des Hungers (aus dem Englischen, 1985);
K. M. Leisinger: Gentechnik für die Dritte Welt? Hunger, Krankheit
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Quellenangabe
Brockhaus, Hunger. http://brockhaus.de/ecs/enzy/article/hunger-20