Der Durchblick - Die Superkraft gegen Fake-News

In unserer Blog-Serie »Helden der Demokratie« gibt es jede Woche frisches Wissen. Kommt mit uns auf Mission und besiegt die Ahnungslosigkeit. Jetzt zum Newsletter anmelden und keine Mission verpassen.

»Papst Franziskus unterstützt die Präsidentschaft Donald Trumps.« Diese Meldung wurde während des US-Wahlkampfes im Jahr 2016 tausendfach auf Facebook geteilt und gelesen. Sie war zu dieser Zeit der erfolgreichste Facebook-Artikel. Und: Die Nachricht war frei erfunden.

Falschinformationen wie diese können Wähler und Wählerinnen in ihrer Entscheidung beeinflussen – und sind deshalb eine Bedrohung für die Demokratie. Wer zum Beispiel sehr katholisch ist, könnte sich am Wahltag an der vermeintlichen Meinung des Papstes orientieren – obwohl er eigentlich gar kein Trump-Anhänger ist. Durch das gezielte Streuen dieser Fake-News im Internet kann man so den Ausgang von Wahlen manipulieren. Ein Fall für die Helden der Demokratie!

Die Feinde auf dieser Mission: Fake-News und Co.

Auf dieser Mission heißen die Feinde Fake-News, Social Bots, Gerüchte und Halbwissen. Das Fatale an den Biestern: Wer von ihnen angegriffen wird, kann nicht nur selbst manipuliert werden. Die Opfer laufen auch Gefahr, zum Helfer von Fake-News und Co. zu werden. Nämlich dann, wenn sie vorschnell auf Teilen klicken oder Gerüchte weitererzählen.

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Dabei sehen die Schurken oft harmlos aus und tarnen sich gut. Es ist schwer, Fake-News von seriösen Nachrichten zu unterscheiden. Wer falsche Informationen aber nicht erkennt, kann sich auch nicht gegen sie zur Wehr setzen. Um der Gefahr zu trotzen, braucht man also vor allem eines: den Durchblick. Er hilft, Fake-News und Co zu enttarnen und zu stoppen.

DDR machte mit Kartoffelkäfern Stimmung gegen die USA

Oft wird angenommen, dass es Fake-News erst seit dem Internet gibt. Doch Falschinformationen sind sehr alte Schurken. Undemokratische Staaten wie die DDR zum Beispiel nutzten Falschinformationen gezielt für Propaganda: 1950 gab es in der DDR eine massive Plage durch Kartoffelkäfer. Die Ernte war bedroht. Der DDR-Landwirtschaftsminister behauptete, dass die Käfer von US-amerikanischen Flugzeugen, der sogenannten Luftbrücke, auf die Felder abgeworfen wurden. Bei der Luftbrücke wurde die Bevölkerung Berlins mit amerikanischen Flugzeugen versorgt. Den Landweg nach Berlin hatten sowjetische Streitkräfte gesperrt. Indem man den amerikanischen Fliegern die Schuld an der Käferplage und der schlechten Ernte gab, machte man in der Bevölkerung Stimmung gegen den politischen Gegner. Falschinformationen richteten also schon vor dem digitalen Zeitalter Schaden an.

Mit dem Internet und vor allem mit den sozialen Medien können sich falsche Informationen nun aber blitzschnell verbreiten und von überall aus weltweit Opfer finden. Hätte man früher davon gehört, dass der Papst Trump wählen würde, hätte man vielleicht mit der Nachbarin und einem Arbeitskollegen darüber geredet. Und die hätten es vielleicht wieder ein paar wenigen Leuten weitererzählt. Wenn man eine solche Meldung aber auf Facebook teilt, kann es sein, dass Tausende Menschen die vermeintliche Nachricht sehen.

Aprilscherz oder Trollfarm – die Schurken finden einen Weg

Aber wie gelangen die falschen Informationen überhaupt ins Internet? Die Schurken finden viele Wege. Das kann ganz harmlos anfangen: Jemand macht sich einen Spaß, ein Aprilscherz verselbstständigt sich. Oder er hat ein Gerücht gehört und will die schlüpfrigen Neuigkeiten mit Freunden und Followern teilen. Möglich ist auch, dass ein Journalist oder eine Journalistin schludert und aus Versehen eine falsche Information ins Netz setzt. Selbst wenn keine böse Absicht dahinter steckt: Das kann Folgen haben. Wenn zum Beispiel ein Kandidat einer Partei dabei sehr schlecht wegkommt, könnte es eine Wahl beeinflussen.

Richtig gefährlich ist aber die gezielte Falschinformation. Hier werden bewusst Fake-News produziert und verbreitet. Die Urheber legen es darauf an, möglichst viele Menschen zu erreichen. Nicht immer steckt politisches Kalkül dahinter. Manchmal lockt auch einfach nur das schnelle Geld. Denn wer viele Besucher auf seine Website lockt, kann über Google und Facebook mit Anzeigen Geld verdienen. Die Betreiber unseriöser Internetseiten nutzen deshalb gerne Themen, die viel Aufmerksamkeit erregen – Skandale im Wahlkampf zum Beispiel. Auch besonders emotionale Themen werden »gut geklickt«. Wenn Inhalte wütend machen oder Angst schüren, werden sie oft geteilt und kommentiert. Und können die Meinung von Tausenden Wählerinnen und Wählern manipulieren.

Vorsicht vor Fake-Profilen

Schließlich gibt es noch die wahrscheinlich gemeinste Form der Fake-News: Politische Lager setzen falsche Informationen in die Welt, um Gegner anzuschwärzen. Sie wollen die Wahlen zu ihrem Vorteil beeinflussen. Dafür werden zum Beispiel in sogenannten Troll-Farmen Menschen dafür bezahlt, den ganzen Tag Falschmeldungen in sozialen Medien zu posten. Eine einzige Person kann dort Hunderte Fake-Profile betreuen. Und über all diese Profile werden Lügen in die Welt geschickt. So sollen sich die Meldungen besonders schnell und weit verbreiten.

Fies. Aber es geht noch hinterhältiger: Manchmal bekommen die Trolle auch noch Unterstützung von sogenannten Social Bots. Das sind sind Computer-Programme, die auf Facebook, Instagram oder Twitter in Fake-Profilen vorgeben, echte Menschen zu sein. Sie versenden Freundschaftsanfragen, schicken private Nachrichten, kommentieren Beiträge und mischen sich in Diskussionen ein. Das Ziel: politische Meinungen beeinflussen.

Das Internet ist ein Verbündeter

Die Digitalisierung und das Internet sind also die bösen Verbündeten der Falschinformationen und Schuld an der Misere? Nein, so einfach ist das nicht. Das Internet hilft nämlich auch den Guten, den Helden. Man braucht nur den Durchblick, um es richtig zu nutzen.

Denn einerseits bietet das Internet die Möglichkeit, sich ausgiebig zu informieren. Hatte man früher vielleicht nur eine regionale Zeitung abonniert, kann man heute auf unzählige seriöse News-Portale zugreifen und dort Artikel lesen. Musste man früher pünktlich um 20 Uhr auf dem Fernsehsessel sitzen, um Nachrichten im Fernsehen zu gucken, geht das heute in den Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender rund um die Uhr. Kein Lexikon zuhause? Früher musste man zur Bibliothek fahren, heute kann man vieles online nachschlagen.

Außerdem gibt es seriöse Seiten, die es sich zum Ziel gemacht haben, Fake-News aufzudecken. Sie schauen sich aktuelle Meldungen an, die in den sozialen Medien kursieren und prüfen deren Wahrheitsgehalt. Dafür sprechen Journalisten mit Expertinnen und Experten und recherchieren wissenschaftliche Hintergründe. Beispiele dafür sind der Faktencheck von Correctiv oder der Faktenfinder der Tagesschau. Mit hoaxsearch.com gibt es sogar eine eigene Suchmaschine für Fake-News.

Helden der Demokratie sind Faktenchecker

Wer den Durchblick hat, kann aber auch selbst zum Faktenchecker werden. Helden der Demokratie sehen genauer hin, wenn

  • Inhalte sehr emotional vermittelt werden. Wird Angst oder Wut geschürt, könnte das ein Hinweis auf Clickbaiting sein.
  • nur der Screenshot eines Zeitungsartikels oder der Nachricht einer eigentlich seriösen Quelle in den sozialen Medien geteilt wird, jedoch kein Link zur Quelle. Sogenannte Sharepics sind häufig Fotomontagen. Sie nutzen die Optik und den Namen seriöser Anbieter, um Wahrheitsgehalt vorzutäuschen.
  • Sachverhalte sehr reißerisch dargelegt sind. Bei Formulierungen wie »unfassbar« oder »jetzt packt xy aus« ist Vorsicht geboten.
  • es auf einer Website kein Impressum gibt. Seriöse Seiten haben immer ein Impressum.
  • für Behauptungen keine Belege und Quellen genannt sind.
  • Quellen genannt und seriös dargestellt werden, aber nicht überprüfbar sind.
  • viele Rechtschreibfehler vorkommen oder schlechtes Deutsch verwendet wird.

Nützlich ist für Helden auch die richtige Ausrüstung: Das Internet stellt sehr viele Werkzeuge bereit, mit denen jeder selbst Nachrichten auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen kann.

Ein wertvolles Tool ist zum Beispiel die Google-Bildersuche. Sucht man dort mit der Bild-URL nach einem Foto, wird angezeigt, wo das Foto überall im Internet zu finden ist. Das kann helfen Falschinformationen aufzuspüren. Fake-News werden oft mit alten Fotos angereichert, die in einem ganz anderen Kontext entstanden sind und angeblich aktuelle Ereignisse abbilden sollen. Ein Beispiel: Im November 2020 ging ein Bild durch die sozialen Medien, das Angela Merkel in einem Restaurant zeigte. Sie trug keine Maske und hielt auch keinen Sicherheitsabstand zu anderen Restaurantbesuchern. In dem Post wurde behauptet, das Bild sei eine aktuelle Aufnahme. Die Kanzlerin habe gegen die Corona-Auflagen verstoßen. Die Google-Bildersuche zeigt aber: Das Bild stammt aus einem Zeitungsartikel aus dem März 2019. Es wurde also lange Zeit vor der Corona-Pandemie aufgenommen. Jemand hat es im falschen Zusammenhang verbreitet, um Stimmung gegen die Kanzlerin zu machen.

Weitere Werkzeuge für Faktenchecker: Youtube-Videos kann man mit einem Tool von Amnesty International auf den Zahn fühlen. Eine sehr einfache Möglichkeit ist auch, nach den wichtigsten Schlagwörtern der Nachricht zu googeln. Wenn kein seriöses Medium darüber berichtet hat, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es Quatsch ist.

3 Tipps, um andere zu schützen

Wer diese Tipps beherzigt, hat den Durchblick und ist vor Fake-News sehr gut geschützt. Wahre Helden der Demokratie gehen aber noch einen Schritt weiter und helfen dabei, auch andere zu schützen. Dafür gibt es zum Abschluss noch drei Tipps:

  1. Fake-News niemals weiterverbreiten – auch nicht aus Spaß. Irgendwer könnte darauf reinfallen.
  2. Falschmeldungen und Fake-Profile in sozialen Medien melden. Das geht mit wenigen Klicks: Bei Facebook und Instagram klickt man zum Beispiel neben dem Profilnamen auf die drei Punkte und wählt die Zeile “melden” aus.
  3. Wenn Kontakte falsche Informationen teilen, sollte man sie höflich darauf aufmerksam machen. Oft passiert das ja nicht in böser Absicht. Am besten, man weist sie in einer privaten Nachricht darauf hin, um niemanden bloßzustellen.

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