Aus unserer Redaktion

Unsere Redaktionsleiterin Dr. Stephanie Warnke-De Nobili über »Die Frauen der Enzyklopädie« und unsere Redaktionsrichtlinien.

 

 

Frau Dr. Warnke, warum dieser Fokus auf Frauen? Ist das nicht unfair den Männern gegenüber?

Warnke: Immer wenn man den Scheinwerfer auf ein besonderes Thema richtet, ist das auf gewisse Weise ungerecht. Der Fokus auf besondere Frauen ist für uns als Redaktion durchaus auch selbstkritisch gemeint: Denn im Brockhaus mit seiner 200jährigen Geschichte hatten es die Frauen lange schwer. Erst nach 1968 wurden vermehrt wichtige Frauen aufgenommen - und auch die Definition des Wortes “Frau” war lange diskriminierend. Heute möchten wir mit dem in den Nachschlagewerken abgebildeten Wissen zu einer modernen, aufgeklärten und emanzipierten Gesellschaft beitragen. 

Haben Sie eine "Lieblingspersönlichkeit"?

Warnke: Das ist angesichts des breiten Spektrums - von herausragenden Naturwissenschaftlerinnen bis zu Katharina der Großen - schwer zu beantworten. Weibliche Vorbilder sind für mich sehr wichtig. Gemeinsam ist den Frauen, die wir ausgewählt haben, dass Sie sich in ihrer jeweiligen Zeit in einer von Männern dominierten Welt behauptet haben. Davor habe ich großen Respekt.

Nach welchen Grundsätzen wurden die Persönlichkeiten ausgewählt? 

Warnke: Bei der Aufnahme von Personen orientieren wir uns an deren Bedeutungs- und Bekanntheitsgrad.

Den Bedeutungsgrad bemessen wir daran, ob die Persönlichkeit nachhaltig im öffentlichen Interesse steht und ihre Zeit gewissermaßen prägt, z. B. durch grundlegende Forschungsarbeiten oder weitreichende technologische Innovationen, dazu gehören auch (inter-)nationale Preisträger*innen; oder zentrale Vertreter*innen einer Institution oder des Zeitgeistes; in unsere Nachschlagewerke werden ebenso Entdecker*innen, Pionier*innen, Olympiasieger*innen oder wichtige Amtsträger*innen und Regierungsvertreter*innen aufgenommen.

Der Bekanntheitsgrad speist sich in erster Linie aus der medialen Aufmerksamkeit, die eine Person über einen längeren Zeitraum erfährt. Dazu werden überregionale und internationale Medien gesichtet.

Die Entscheidung, jemanden in die Enzyklopädie aufzunehmen, beruht meistens auf einer Mischung von beiden Faktoren.

Welche Quellen nutzt die Redaktion, um Fakten zu überprüfen?

Warnke: Wissen entsteht aus korrekten Informationen. Um diese zu prüfen, nutzt die Brockhaus Redaktion diverse Quellen, wie wissenschaftliche Datenbanken, Fachjournale, Handbücher, Fachlexika oder wissenschaftliche Publikationen. Um gegenwärtige Debatten und Geschehnisse zu verfolgen, werden überregionale und internationale Medien gesichtet. Damit stellen wir sicher, dass die Nachschlagewerke hochwertig und fachlich wie sprachlich geprüft sind. Außerdem haben wir ein großes Netzwerk aus Expert*innen, die aus den diversen Bereichen stammen: Wissenschaft, Schule, Journalismus oder Verwaltung.