Philosophie Wissen

Platon, Kant, Foucault – von der Antike bis heute zerbrechen sich große Denker ihre Köpfe über den Zusammenhang der Dinge in der Welt. In unserem Dossier finden Sie wichtige Begriffe, Definitionen und Hintergrundinformationen zum Thema »Philosophie«.

Grundwissen

Was ist Philosophie?

Die Philosophie [griechisch, = Liebe zur Weisheit] ist die systematische Beschäftigung mit Fragen nach dem Wesen der Welt und des Menschen. Immanuel Kant hat die Grundfragen der Philosophie so formuliert: Was kann ich wissen, was soll ich tun, was darf ich hoffen, was ist der Mensch? Die Philosophie fragt nach dem Zusammenhang der Dinge in der Welt, will die Aussagen der einzelnen Wissenschaften in einer Gesamtschau zusammenfassen und untersucht die Möglichkeit menschlicher Erkenntnis.

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Was sind philosophische Themen?

Zu den philosophischen Disziplinen zählt man folgende Fachzweige: die Frage nach dem Allumfassenden und Allgemeinsten (Metaphysik), die Frage nach dem Sein (Ontologie), die Lehre vom richtigen Denken und Schließen (Logik), die Lehre vom sittlichen Handeln des Menschen (Ethik), die Frage nach den Voraussetzungen für Erkenntnis und das Zustandekommen von Wissen (Epistemologie) sowie die Lehre vom Schönen (Ästhetik).

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Ein Philosoph im Fass

Ein Sonderling unter den Philosophen war ohne Zweifel Diogenes. Nachdem man ihn dazu aufgefordert hatte, sein wohnungsloses Dasein aufzugeben, soll er seine Wohnung in einem leeren Fass, ähnlich wie in einer Hundehütte, genommen haben. An dieser Darstellung als Philosoph im Fass erkennen wir ihn heute auf Bildern oder in Texten.

Aber auch sonst fiel Diogenes von Sinope auf, ob durch empörendes Verhalten in der Öffentlichkeit, laute Kritik an Herrschern wie Alexander dem Großen oder an dem ewigen Theoretisierens Platons. Sein klares Denken ohne Interesse an Stellungen, hilft ihm jedoch auch weiter: Als er von Piraten entführt wird, bringt er sie durch seine Argumentation dazu, den Gefangenen mehr Essen zuzugestehen.

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Hintergrundwissen

Was hat Philosophie mit Griechenland zu tun?

Bei Philosophie denken die meisten an die alten Griechen. Und das hat gute Gründe: Die klassisch-griechische Philosophie ist bis heute enorm einflussreich. Die meisten Fragen, die Philosophen behandeln, lassen sich in irgendeiner Weise zu Sokrates, Platon oder Aristoteles zurückführen. Trotz oder gerade wegen ihrer Meinungsverschiedenheiten prägten diese drei Denker, was man als die Grundlage des sogenannten abendländischen Denkens bezeichnen könnte.

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Was machen Philosophen eigentlich?

Philosoph zu sein ist kein Beruf, sondern eher eine Einstellung. Als Philosoph oder Philosophin beschäftigt man sich mit Fragen des Lebens und Sichtweisen auf die Dinge – die unendlichen Möglichkeiten zum philosophischen Denken sind gleichzeitig Fluch und Segen, wenn man versucht, die Philosophie zu fassen. Nach dem Nachsinnen geht es auch darum, Theorien aus den Gedanken zu entwickeln oder Handlungsstrategien zu entwickeln. Philosophen und Philosophinnen sind deshalb theoretisch sehr vielfältig einsetzbar, weil sie hervorragend analysieren und argumentieren können.

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Wofür braucht man Philosophie?

Philosophie hilft zu verstehen, dass unsere Gedanken nie aus dem Nichts auftauchen. Wenn man vor großen oder auch kleinen Fragen des Lebens steht und keine Antwort auf sie weiß, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass irgendjemand eine ähnliche Situation bereits von unterschiedlichen Seiten beleuchtet und abgewogen hat. Wenn die Philosophie vielleicht auch nicht die deutlichsten Antworten gibt, besteht doch immer die Hoffnung auf einen nächsten interessanten Denkanstoß.

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Das Höhlengleichnis

 

Platons Höhlengleichnis erzählt von Menschen, sie seit ihrer Geburt in einer Höhle leben. Sie sind dort so gefesselt, dass sie nur auf eine Wand gucken können. Hinter ihnen brennt ein Feuer und davor führen Menschen ein Schattentheater auf. Die Höhlenbewohner halten diese Schatten für die Wirklichkeit.

Was würde passieren, wenn man einen dieser Gefangenen befreit und ihm zeigt, dass diese Schatten nicht die wirklichen Gegenstände sind, sondern nur Schatten? Er würde er es nicht glauben. Es fiele ihm zunächst schwer, diese Gegenstände im Licht des Feuers überhaupt zu erkennen. Da er sein Leben lang die Dunkelheit gewohnt war, würden seine Augen beim Blick in Richtung Feuer schmerzen.

Zwänge man ihn, die Höhle zu verlassen, schmerzten die Augen des Befreiten zunächst noch mehr: Das helle Sonnenlicht ist ungewohnt. Daher könne er anfangs nur Schatten und Spiegelungen auf dem Wasser, erst später die wirklichen Dinge erkennen. Und erst ganz am Schluss wäre er in der Lage, zum Himmel zu blicken, um dann die Sonne selbst zu sehen. Am Ende, so Sokrates weiter, wäre der Befreite glücklich über seine Lage und wolle auch nicht mehr zurück in die Höhle.

Wenn er wieder in die Höhle heruntersteigt, erkennt er nichts. Da er aus dem Licht in die Dunkelheit kommt, ist er schlecht darin geworden, die Schatten zu deuten. Versuche er nun, auch andere zu befreien und nach oben zu führen, würden die Gefangenen zornig, da sie glaubten, er wolle ihnen schaden. Schließlich könne man ja an seinen Leistungen beim »Schattenraten« sehen, dass der Aufstieg nach oben ihm geschadet habe. Sie denken, er wäre verrückt geworden.

Die Höhle symbolisiert die normale Umgebung des Menschen – das, was er wahrnimmt und für die Gesamtheit des Existierenden hält. Die Person, die sich befreit und aus der Höhle steigt, um die Wahrheit zu erkennen, ist der Philosoph. Für die unwissenden Höhlenmenschen ist er jedoch ein verrückter Störenfried.

Wichtige Philosophinnen und Philosophen

Laotse

„Wenn ich loslasse, was ich bin, werde ich, was ich sein könnte.“
Etwa zeitgleich mit der griechischen Philosophie, entwickelten sich auch in China philosophische Schulen. Ein wichtiges Werk, das Daodejing, wird Laotse zugeschrieben. Über ihn ist so wenig bekannt, dass er teilweise als mythische Figur angesehen wird. Die Texte im Daodejing beschäftigen sich sowohl mit der Theorie gerechter Herrschaft als auch der Frage nach Moral im Einklang mit einem guten Leben.

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Avicenna/Ibn Sina

„Es gibt keine unheilbare Krankheit, nur fehlenden Willen. Es gibt keine nutzlosen Kräuter, nur fehlendes Wissen.“

Der persische Universalgelehrte Ibn Sina aus dem heutigen Usbekistan war nicht nur Philosoph, sondern auch Arzt, Richter und politischer Berater. Sein Hauptaugenmerk legte er auf logisches Denken und beweisführendes Argumentieren. Er versuchte, Religion, Naturwissenschaft und Logik auf der Ebene der Vernunft zu integrieren.

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Immanuel Kant

„Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch?“

Obwohl Immanuel Kant Königsberg nie verließ, machten seine Gedanken ihn international berühmt und seine kontroversen Ansichten führten dazu, dass König Friedrich Wilhelm II. ihm Ende des 18. Jahrhunderts seine Lehrerlaubnis entzog. Kant war der Überzeugung, die Welt an sich sei eine andere als die, die wir wahrnehmen. Ein Verständnis für die Welt lasse sich durch Vernunft und Erfahrung erlangen, aber es sei wichtig, sich der Grenzen des eigenen Wissens bewusst zu sein. Berühmt ist Kant auch für den kategorischen Imperativ.

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Simone de Beauvoir

„Man ist nicht als Frau geboren, man wird es.“

Eine der Grundannahmen des Existenzialismus sagt, dass es keinen bestimmten Grund für die Existenz geben, sondern jede und jeder sich einen eigenen Sinn im Leben suchen müsse. Mit ihrem Buch »Das andere Geschlecht« übertrug Simone de Beauvoir diese Idee auf das Konzept Weiblichkeit und legte damit einen Grundstein für den modernen Feminismus. Zudem beschreibt sie, dass Weiblichkeit nur von außen beschrieben wurde und fordert eine Bestimmung aus sich selbst heraus.

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Michel Foucault

„Ich bin kein Hellseher. Ich bin nur da, um Fenster einzusetzen, wo vorher Wände waren.“

Michel Foucault verärgerte seine Ärztefamilie, als er keine medizinische Karriere einschlug, sondern stattdessen einer der meistgelesenen Philosophen der Moderne wurde. Sein großes Interesse galt der Geschichte, aber als Kompromiss ließ er sich außerdem zum Psychologen ausbilden. Er beschäftigte sich mit der Wahrnehmung unserer Welt, vor allem der sozialen Konstruktion scheinbarer Gegebenheiten. Um sich ein Bild von Macht zu machen, ging er in psychiatrische Anstalten, Gefängnisse und Archive.

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Angela Davis

„Ich akzeptiere nicht länger die Dinge, die ich nicht ändern kann. Ich ändere, was ich nicht akzeptieren kann.“

Als schwarze, lesbische Kommunistin hatte Angela Davis es im Amerika der 1960er-Jahre nicht leicht. Als politische Anführerin der Black Power-Bewegung legte sie ihren Fokus auf Rassismus, die Klassengesellschaft, das amerikanische Gefängnissystem und dessen Abschaffung sowie Feminismus.

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Das war nur eine kleine Auswahl von Philosophen und Philosophinnen – ob im Alten Griechenland, im Alten China oder im Alten Indien, während des Mittelalters, der Renaissance, der Moderne und der Postmoderne, über das menschliche Sein und was das Leben so ausmacht, wurde und wird immer nachgedacht.

Weitere Philosophinnen und Philosophen

Spotify Playlist

»Im Wesen der Musik liegt es, Freude zu bereiten.« Das soll der Philosoph Aristoteles über die Musik gesagt haben. Heutige Künstlerinnen und Künstler bedienen sich wiederum häufig der Philosophie und verarbeiten ihre Fragen in ihren Songtexten.

Philosophie Quiz

Wen erklärte Nietzsche für tot, was bedeutet es eigentlich wenn jemand stoisch ist und worum geht es im Höhlengleichnis? Testen Sie Ihr Wissen in unserem Philosophie-Quiz.