Rosa Luxemburg

Luxemburg, Rosa, marxistische Theoretikerin und Politikerin, * 5.3.1871 (nach anderen Angaben 1870) in Zamość bei Lublin (Russisch-Polen), † 15.1.1919 (ermordet) in Berlin. 

Rosa Luxemburg war eine führende Figur der radikalen Arbeiterbewegung in Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

 

Rosa Luxemburg (1870-1919) gründete zusammen mit Karl Liebknecht den Spartakusbund und später die KPD; zusammen wurden sie von Freikorpsoffizieren ermordet.

 

Akademische Ausbildung und politisches Engagement in der Sozialdemokratie: Die Tochter einer jüdisch-polnischen Kaufmannsfamilie besuchte ein Gymnasium in Warschau und schloss sich schon als Schülerin sozialistischen Zirkeln an. 1889 emigrierte Luxemburg nach Zürich und studierte dort Nationalökonomie (1897 Promotion). Zusammen mit dem ihr eng verbundenen L. Jogiches beteiligte sie sich 1893 führend an der Gründung der im Untergrund tätigen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei des Königreichs Polen (und Litauen; ab 1900). Nach Übersiedlung nach Berlin (1899) und Eintritt in die SPD entwickelte sie sich zur führenden Theoretikerin des linken Parteiflügels. 1905 ging sie in den unter russischer Herrschaft stehenden Teil Polens und nahm in Warschau an Demonstrationen und Kämpfen gegen die russische Staatsmacht teil. Vom 4. 3. bis 28. 6. 1906 in Warschau in Haft, kehrte sie über Finnland (Schrift »Massenstreik, Partei und Gewerkschaften«) nach Deutschland zurück. Im November 1906 begann ein engeres Verhältnis zu C. Zetkins Sohn Konstantin (Kostja; * 1885, †1980). Am 1. 10. 1907 wurde sie Dozentin an der Parteihochschule der SPD in Berlin.

Entschiedene Kriegsgegnerin: Schon im Vorfeld – u. a. auf den Internationalen Sozialistenkongressen (1907, 1912, 1914) und in der II. Internationale – aktiv gegen die Kriegsgefahr eintretend, bekämpfte sie im Ersten Weltkrieg 1914–18 die Burgfriedenspolitik der SPD (»Die Krise der Sozialdemokratie«, unter dem Pseudonym Junius, deshalb auch »Junius-Broschüre« genannt, 1916) und initiierte zusammen mit K. Liebknecht die »Gruppe Internationale«, für die sie Mitherausgeberin der Zeitschrift »Die Internationale« war (ab 1915; Spartakusbund). Vom 31. 3. 1915 bis 18. 2. 1916 sowie ab 10. 7. 1916 war sie als Kriegsgegnerin in Berlin, Wronke (Posen) sowie Breslau inhaftiert. Nach ihrer Freilassung (9. 11. 1918) ging sie nach Berlin.

Sie wollen mehr geprüftes Wissen?

Gründung der KPD und Ermordung: Nach dem Sturz der Monarchie strebte sie eine Rätedemokratie an. Ihre im Dezember verfasste Schrift »Was will der Spartakusbund« wurde zur programmatischen Grundlage der am 31. 12. 1918/1. 1. 1919 gegründeten KPD, zu deren Vorsitzende sie gemeinsam mit Liebknecht gewählt wurde. Im Januar 1919 unterstützte sie aus Gründen der Parteiräson den Aufstand des Spartakusbundes in Berlin, von dessen Scheitern sie überzeugt war und den sie deswegen missbilligt hatte; sie wurde von Freikorpsoffizieren ermordet. Schon kurz nach ihrer Ermordung wurde Luxemburg als »Märtyrerin« der linken Sache zum Mythos. Bis heute ist ihr Grab in Berlin Pilgerstätte der sozialistischen Linken.

Gesellschaftstheoretische Arbeiten: In den Beiträgen Luxemburgs zur Entwicklung der sozialistischen Gesellschaftstheorie lassen sich im Wesentlichen vier Schwerpunkte erkennen: 1) Im Gegensatz zum Revisionismus E. Bernsteins sah Luxemburg in der Revolution den einzig erfolgreichen Weg zur Errichtung einer sozialistischen Gesellschaftsordnung (»Sozialreform oder Revolution?«, 1899). 2) In zahlreichen Reden und Beiträgen kritisierte sie Militarismus und Kolonialismus. 3) In ihrem theoretischen Hauptwerk »Die Akkumulation des Kapitals« (1912) vertrat sie die These, dass der Imperialismus die notwendige Folge einer in der kapitalistischen Dynamik angelegten Gesetzmäßigkeit sei. 4) Im Gegensatz zu Lenins Auffassung von der straff gelenkten »Partei neuen Typs« als »Avantgarde der Arbeiterklasse« war sie überzeugt, dass das Proletariat in seiner Gesamtheit am Aufbau des Sozialismus teilhaben müsse, wenn dieser gelingen solle; Lenin verwechsle die Klassendiktatur (das heißt die Diktatur des Proletariats) mit den technischen Mitteln diktatorischer Herrschaft.

Mit ihrer berühmt gewordenen Anmerkung »Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden« (»Zur russischen Revolution«, 1918, veröffentlicht posthum 1922) suchte Luxemburg diktatorischen Tendenzen Lenins und der Bolschewiki entgegenzuwirken; ob sie darüber hinaus allgemein der Tradition des demokratischen Sozialismus zuzuordnen sei, ist wegen ihres widersprüchlichen Demokratieverständnisses umstritten. – In der Spätphase der DDR beriefen sich Gruppen der Bürgerbewegung auf Luxemburgs Worte zum Thema Freiheit.

 

Werke

Weiterführende Literatur:

E. Ettinger: Rosa Luxemburg. Ein Leben (aus dem Amerikanischen, 1990);
P. Frölich: Rosa Luxemburg (Neuausgabe 1990);
Rosa Luxemburg. Ein Leben für die Freiheit, hg. v. F. Hetmann (Neuausgabe 1990);
Die Freiheit der Andersdenkenden. Rosa Luxemburg und das Problem der Demokratie, hg. v. T. Bergmann u. a. (1995);
N. Geras: Rosa Luxemburg. Vorkämpferin für einen emanzipatorischen Sozialismus (aus dem Englischen, Neuausgabe 1996);
A. Laschitza: Im Lebensrausch, trotz alledem – Rosa Luxemburg. Eine Biographie (Neuausgabe 2000);
H. Hirsch: Rosa Luxemburg (202002);
Rosa Luxemburg u. die Arbeiterbewegung. Neuere Ansätze in Rezeption u. Forschung, hg. v. K. Tenfelde (2003);
F. Haug: Rosa Luxemburg u. die Kunst der Politik (2007);
K. Gietinger: Eine Leiche im Landwehrkanal. Die Ermordung Rosa Luxemburgs (2008);
D. Dath: Rosa Luxemburg (2010).

 

 

Artikel aus der Brockhaus Enzyklopädie.