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Percht

Percht die, Bercht, Perchta, mythische Gestalt in Volksglauben und Brauchtum v. a. Oberdeutschlands und der österreichischen Alpenländer, mit einer Vielzahl (auch regionaler) Namensvarianten.

In anderen Landschaften wird sie auch mit »Frau Holle« gleichgesetzt und ist wie diese Anführerin einer Schar dämonischer Wesen (auch Perchten genannt; der Wilden Jagd vergleichbar), die in der Mittwinterzeit (Raunächte), besonders in der Nacht vor dem Dreikönigstag (5. 1.; Perchtnacht), umherziehen.

Wie hier im Burgenland (Österreich) finden in vielen Regionen Süddeutschlands und Österreichs sogenannte Perchten, Perchtenläufe oder Schiachperchten statt, bei denen sich Menschen als Dämonen verkleiden und durch die Stadt ziehen.

Nach J. Grimm ist sie die Personifizierung des Festnamens, der im Althochdeutschen als »ze demo perahtin tage« (»zu dem glänzenden Tag«) oder als »giperahta naht« (glänzende Nacht) bezeichnet wurde. Nachweisbar auch in den »Mondseer Glossen« (Entstehung ca. zwischen dem 9. und 10. Jahrhundert), wo in Bezug auf die Nacht vom 5. auf den 6. 1. von »giperchtennacht« die Rede ist.

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Als dämonisches Einzelwesen erscheint die Percht mit ambivalenten Zügen: als hexenhafte »Percht mit der eisernen Nas«, als »Spinnstubenfrau«, die das Nichteinhalten von (Arbeits-)Verboten und Geboten bestraft; als Kinderschreck, aber auch als freundliche (schöne) Gaben- und Segensbringerin, gelegentlich als Schicksalskünderin (Orakel), Schützerin vor Krankheit, Missernten und Schaden an Haus und Hof. Gebietsweise, besonders im Alpenraum, wurde sie mit unterschiedlichen Brauchformen verbunden; aus einer Mischung mehrerer Formen entwickelte sich der Perchtenlauf.

 

Artikel aus der Brockhaus Enzyklopädie.

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