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Mayflower

Mayflower ist der Name des 23 m langen Segelschiffs, auf dem 1620 die puritanischen Pilgerväter von England nach Amerika segelten.

In ihrer Heimat in England wurden die Puritaner wegen ihrer Religion verfolgt, denn sie hatten sich geweigert, die unter König Heinrich VIII. gegründete anglikanische Kirche anzuerkennen. In Amerika gründeten sie in dem heutigen Plymouth, Massachusetts, eine der ersten Kolonien. Heutzutage werden sie darum in den USA als eine der ältesten bestehenden Gemeinden verehrt. Ihre verlustreiche Überfahrt und die schwierigen Anfänge stehen für die Amerikaner symbolisch für den »amerikanischen Traum« von Pioniergeist und vor allem für religiöse Freiheit. Darum haben sie auch den Ehrennamen »Pilgerväter« erhalten.

Mit der »Mayflower« segelten 1620 die ersten englischen Siedler nach Nordamerika. In Plymouth (USA) liegt eine Nachbildung des berühmten Segelschiffs.

Die Herkunft der Pilgerväter

1538 wurde auf Befehl des englischen Königs Heinrich VIII. er selbst zum Oberhaupt der englischen Kirche erklärt und damit die Trennung von der katholischen Kirche und dem Papst vollzogen. Die religiösen Unterschiede zwischen der neuen anglikanischen und der alten katholischen Kirche waren nicht besonders groß. In den folgenden Jahren bildeten sich darum in England einige Sondergruppen, denen die Trennung noch nicht weit genug ging. Sie wurden von der Krone allerdings nicht gern gesehen und waren immer wieder Verfolgungen ausgesetzt. In Scrooby in Nottinghamshire hatte sich eine solche sogenannte Separatistengruppe unter dem Pastor John Robinson, dem Kirchenältesten William Brewster sowie William Bradfordzusammengefunden. Ihre Glaubensvorstellungen wichen von der offiziellen Leitlinie der anglikanischen Kirche ab. 1559 hatte Elisabeth I., die Tochter Heinrichs VIII., bereits ein Gesetz erlassen, nach dem jeder einmal pro Woche die offizielle Kirche besuchen musste oder eine Geldstrafe zu leisten hatte. Für die Ärmeren war diese jedoch kaum zu bezahlen und so gerieten die Separatisten unter Druck. Für die Gemeinde von Scrooby verschärfte sich die Situation nochmals im Jahr 1607, als der Bischof von York gezielt ihre Häuser durchsuchen und einzelne Gemeindemitglieder verhaften ließ.

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Holland

Die Gemeinde beschloss, England zu verlassen, um weiteren Verfolgungen zu entgehen. Im Lauf des Jahres 1608 überquerten ihre Mitglieder auf verschiedenen Schiffen heimlich den Ärmelkanal, wobei einige entdeckt und verhaftet wurden. Etwa 150 Personen kamen schließlich in Amsterdam an. Von hier siedelte die Gruppe nach Leiden, damals eine wichtige Handelsstadt, um. Die Verfolgung aus religiösen Gründen hatte damit ein Ende.

Da die meisten Gemeindemitglieder Bauern waren, fanden sie in der vor allem vom Handel geprägten neuen Umgebung nur eingeschränkte Möglichkeiten vor, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Die jüngeren Mitglieder der Gemeinde begannen zudem, sich an ihre Umgebung anzupassen. So fürchteten die Älteren um ihren religiösen Zusammenhalt. Man entschloss sich, nochmals eine neue Heimat zu suchen, wo man möglichst wenigen fremden Einflüssen ausgesetzt sein würde. Die Wahl fiel auf die noch kaum besiedelten neuen Kolonien in Nordamerika. Dort, so glaubten die Gemeindemitglieder, würde man in Ruhe und Frieden den eigenen Glauben pflegen können und als Bauern genug Land zum Bestellen finden.

Die Vorbereitung

Um in Nordamerika siedeln zu können, musste die Gemeinschaft allerdings bei der englischen Krone ein sogenanntes Landpatent erwerben. Zuständig dafür war die »Virginia Company« in London. Diese Aktiengesellschaft war 1606 von König Jakob I.damit beauftragt worden, das Land an Neusiedler zu vergeben. Sie genehmigte der Gemeinde in Leiden, an der Mündung des Hudson River eine Siedlung zu errichten. Südlich davon war bereits 1607 mit Jamestown die erste englische Kolonie gegründet worden.

Nachdem die rechtliche Seite geklärt war, benötigte man noch genügend Geld. Hierfür verpflichtete man sich den »Merchant Adventurers«. Diese Gruppe von Geschäftsleuten finanzierte solche Unternehmungen mit dem Ziel, das Geld später mit Gewinn zurückgezahlt zu bekommen. Damit konnten die Neusiedler Proviant kaufen und zwei Schiffe chartern, die kleinere »Speedwell« und die »Mayflower«. Im Juli 1620 ging die Gruppe aus Holland in Delfshaven an Bord der Speedwell und segelte zunächst nach Southampton. Hier war der Treffpunkt mit der Mayflower und weiteren Siedlern, die in England für das Unternehmen angeworben worden waren.

Die Überfahrt

In Southampton trafen die beiden Gruppen zusammen. Für die Leidener waren die von William Brewster angeworbenen Engländer zunächst »die Fremden«. Doch ohne sie wäre die Gemeinschaft schon am Anfang zu klein gewesen. 121 Passagiere gingen insgesamt an Bord, verteilt auf die Mayflower und die Speedwell. Am 15. August 1620 stachen die beiden Schiffe in See. Doch stellte sich schnell heraus, dass die Speedwell nicht dicht war und Wasser zog. Man lief den Hafen von Devon an, um die Lecks zu schließen. Aber auch beim zweiten Versuch erwies sich die Speedwell als unzuverlässig. Schließlich entschlossen sich die Pilgerväter dazu, sie in Plymouth zurückzulassen. Die Fracht wurde umgeladen und nur noch 102 Passagiere durften die Überfahrt wagen. Gerüchte wollten später wissen, dass die Matrosen der Speedwell selbst die Lecks geschlagen hatten, um der gefährlichen Atlantiküberquerung zu entgehen.

Die verbliebenen 102 Passagiere stachen am 6. September 1620 Richtung Neue Welt in See. Die Hälfte von ihnen kam aus Leiden. Kapitän des Schiffes war Myles Standish. Zunächst verlief die Fahrt ruhig, doch dann geriet das Schiff in einen Sturm, bei dem ein Passagier über Bord gespült wurde. Er konnte jedoch gerettet werden. Am Schiff entstanden erhebliche Schäden, ein Mast musste ersetzt werden. Der Schaden erschien so schwer, dass man sogar die Rückkehr in Erwägung zog. Da man die Hälfte der Strecke aber schon hinter sich hatte, entschloss man sich zur Weiterfahrt. Die Verhältnisse waren sehr beengt und unhygienisch. Ein Passagier und ein Matrose starben vor der Ankunft. Ein gesundes Kind wurde aber auch geboren, das den Namen »Oceanus« erhielt.

Der Mayflower-Vertrag

Am 10. November sichteten die Passagiere der Mayflower Land in der Gegend des heutigen Cape Cod. Laut ihrem Patent sollten sie am weiter südlich gelegenen Hudson River siedeln. Also versuchten sie, das Kap zu umfahren. Doch Strömung und Untiefen erwiesen sich als zu große Hindernisse, sodass man schließlich beschloss, weiter nördlich an Land zu gehen. Am 11. November warf die Mayflower im Hafen des heutigen Provincetown Anker.

Noch am gleichen Tag wurde ein Dokument aufgesetzt, das als die erste schriftliche Verfassung einer demokratischen Gemeinschaft gilt. Anlass war die Tatsache, dass man sich nun in einem Gebiet befand, für das das Landpatent keine Gültigkeit hatte. Einige aus der Gruppe der Siedler, die nicht aus Leiden kamen, waren nun der Ansicht, dass sie keinem Gesetz mehr unterstanden. Daraufhin einigten sich die anderen Kolonisten, einen Vertrag zu schließen, nach dem sich alle richten sollten. Er sollte das Überleben der Gruppe sichern.

Der erste Winter

An Land stieß ein Erkundungstrupp auf einige Indianer, die den Neuankömmlingen unfreundlich begegneten. Sie hatten bereits schlechte Erfahrungen in dieser Hinsicht gemacht. Zudem hatten die Siedler einige Grabhügel der Indianer zerstört und das Korn gestohlen, das für die Toten im Jenseits gedacht war. Man befürchtete weitere Zusammenstöße. So segelte die Mayflower noch ein Stück weiter nach Norden. Am 17. Dezember 1620 ankerte das Schiff im Hafen des heutigen Plymouth. Hier gingen die Siedler an Land. Auf einer Karte des Seefahrers John Smith war die Gegend als New Plymouth eingetragen. Die Gruppe beschloss, ihre neue Stadt so zu nennen, da Plymouth ja auch ihr Abfahrtshafen in England gewesen war.

Der erste Winter war extrem hart. Das Wetter verhinderte zunächst den Bau von festen Häusern. So blieben Frauen, Kinder und ein Teil der Männer an Bord. Erst im Januar war das erste Gebäude so weit fertiggestellt, dass zumindest ein Teil der Ladung an Land gebracht werden konnte. Die Passagiere litten unter der Enge und den hygienischen Verhältnissen. Viele erkrankten aus Vitaminmangel an Skorbut. In diesem Winter starben 45 der 102 Siedler. Zu den Toten gehörte auch der von den Merchant Adventurers als Gouverneur eingesetzte Christopher Martin. Die Gemeinschaft wählte nun John Carvor. Doch auch er lebte nicht mehr lange und wurde durch William Bradwell ersetzt.

Anders als beim heutigen Provincetown konnten die Pilgerväter hier zu den Indianern friedliche Kontakte aufbauen, vor allem zum Stamm der Squanto. Sie schlossen einen förmlichen Friedensvertrag. Mithilfe der Squanto lernten die Siedler schließlich, in der neuen Umgebung zu überleben. Am 5. April 1621 setzte die Mayflower Segel und kehrte nach England zurück. Im November 1621 feierten die überlebenden 53 Siedler zum ersten Mal in der Neuen Welt das Erntedankfest. Sie hatten es geschafft. Heute ist dieses »Thanksgiving«, das Ende November begangen wird, nach diesem Vorbild in den USA das wichtigste Fest des Jahres.

Pilgrim Fathers

Ebenfalls im November 1621 erreichte ein zweites Schiff die neue Siedlung. Von nun an wuchs Plymouth beständig und spielte in den Kriegen, die in den folgenden Jahren gegen die Indianer geführt wurden, eine führende Rolle. 1691 ging die Kolonie im Staat Massachusetts auf. Für die US-Amerikaner sind die »Pilgrim Fathers« der Inbegriff für Durchhaltevermögen und Selbstbehauptung.

Literatur

Philbrick, N.Mayflower: Aufbruch in die Neue Welt (München 2006)

 

Artikel aus der Brockhaus Enzyklopädie.

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