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Luciafest

Luciafestnach der heiligen Lucia, einer frühchristlichen Märtyrerin aus Syrakus, benanntes Fest, das am 13. 12. heute vor allem in Schweden gefeiert wird.

Vor der Kalenderreform fiel der Festtag der heiligen Lucia mit der Wintersonnwende, dem kürzesten Tag des Jahres zusammen. Dies hatte zur Folge, dass sich zwei völlig verschiedene Traditionen des Luciafestes etablierten. Während in einigen Gegenden die Betonung auf dem Leuchten liegt, das bereits im Namen der Lucia (lat. lux »Licht«) angedeutet wird, wird die Lucia in anderen Regionen mit den dämonischen Gestalten der Raunächte in Verbindung gebracht.

Luciaweizen: Ähnlich wie am Barbaratag hat sich auch am Festtag der heiligen Lucia ein vorweihnachtlicher Brauch entwickelt. So ist es am Luciatag üblich, Weizenkörner auf einem Teller auszusäen. Diese als Luciaweizen bezeichnete Aussaat soll zu Weihnachten aufsprießen und stellt ein Symbol für Christus und das Abendmahlbrot dar.

Lichterbräuche am Luciafest: In Italien finden Fest der Santa Lucia viele Umzüge und Volksfeste zu Ehren der Lichtheiligen statt und im oberbayerischen Fürstenfeldbruck lässt man am 13.12. Lucienhäuschen auf der Amper schwimmen.

Kinder singen anlässlich des Luciafestes in einer Kirche in Molndal (Schweden)

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Eine besondere Lucia-Tradition hat sich in Schweden ausgebildet. Anders als in den meisten protestantischen Regionen konnte sich dort das Christkind, das seit der Reformation als Alternative zum heiligen Nikolaus eingeführt worden war, nicht durchsetzen. Stattdessen verschwamm die Figur des Christkindes dort mit der heiligen Lucia. Um die gabenbringende Lichtgestalt der Lucia entwickelten sich die Tradition der Luciabraut, die mit einer Lichterkrone bekränzt und in ein weißes Gewand gehüllt, am Morgen des 13. Dezember Geschenke verteilt. Der Luciatag wurde in Schweden zwar bereits im Mittelalter gefeiert. Der heute übliche Brauch entwickelte sich aber erst ab dem 18. / 19. Jahrhundert. Im Jahr 1927 wurde dann durch die Stockholmer Zeitung »Stockholms Dagblad« die erste Luciakönigin gewählt und eine öffentliche Luciaprozession organisierte. Seitdem nimmt der Luciatag einen festen Platz im Feiertagskalender Schwedens und der skandinavischen Nachbarländer ein. Traditionell bringt am Luciamorgen die älteste Tochter ihrer Familie Kaffee und Safranbrötchen; Luciachöre singen in Kirchen, Schulen, Altenheimen und Krankenhäusern und bereits Wochen vorher wird lokal und national eine Luciakönigin gewählt.

Als Lussekatt wird das schwedische Safrangebäck bezeichnet, das traditionell zum Luciafest gebacken wird.

Lucia als dämonische Gestalt: Vor der gregorianischen Kalenderreform begannen mit dem Luciatag die sogenannten Zwölfnächte, in denen nach altem Glauben Hexen und Dämone ihr Unwesen trieben. Die Figur der Lucia traf somit auf Gestalten wie die Percht oder Frau Holle. Je nach Region wird sie nun als »Schiache Luz«, »Lützel«- oder »Luzelfrau« bezeichnet und mit zahlreichen Mythen in Verbindung gebracht. Besonders im Bayerischen Wald und in der Oberpfalz hat sie sich zu einer Schreckensgestalt entwickelt, die auf der Suche nach unartigen Kindern durch die Straßen schleicht.

 

Artikel aus der Brockhaus Enzyklopädie.

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