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Journalismus

Journalismus [ʒʊr-; französisch] der, -,zusammenfassende Bezeichnung für Tätigkeiten, durch die aktuelle Informationen inhaltlich gestaltet werden, im engeren Sinn die Tätigkeit von Journalisten in Presse, elektronischen Medien, Nachrichtenagenturen, Werbung und Öffentlichkeitsarbeit, die neben dem Recherchieren, Bearbeiten und Präsentieren der Meldungen auch deren Interpretation und Analyse umfasst.

Gesellschaftliche und rechtliche Grundlagen

Von grundlegender Bedeutung für den Journalismus eines Landes ist dessen politisch-gesellschaftliches System. In den westlichen Demokratien ist der Journalist in der Regel mit Schutzgarantien gegen staatliche Einflüsse und häufig mit rechtlichen Privilegien ausgestattet, die ihm seine Aufgabe – in Angelegenheiten von öffentlichem Interesse Nachrichten zu beschaffen, zu verbreiten und durch Kritik und Stellungnahmen an der Meinungsbildung der Bürger mitzuwirken – erleichtern sollen. Zu den rechtlichen Privilegien zählen der in den Landespressegesetzen normierte Auskunftsanspruch gegenüber Behörden sowie eine verkürzte Verjährung bei Presseinhaltsdelikten, d. h. in Fällen, in denen die journalistischen Beiträge selbst das Recht verletzen. Zu den Schutzgarantien gehören in Deutschland u. a. das Zeugnisverweigerungsrecht, das Verbot der Zensur, der Schutz vor Beschlagnahme von Redaktionsdokumenten und eine erschwerte Beschlagnahme fertiger Druckerzeugnisse.

Journalismus im politischen Kräftefeld

Die Bedeutung des Journalismus für die politische Willensbildung führt auch in demokratischen Systemen dazu, dass Regierungen und Parteien versuchen, auf die Berichterstattung der Medien insgesamt oder auf einzelne Journalisten in institutionalisierter, informeller (z. B. durch persönliche Kontakte zu Journalisten) oder professioneller Form Einfluss zu nehmen. Institutionalisiert ist in Deutschland die Einflussnahme von Politikern im Rundfunkrat. Allerdings ist der Rundfunkrat aus Vertretern vieler gesellschaftlich relevanter Gruppen zusammengesetzt und er vertritt die Interessen der Allgemeinheit. Seine Aufgabe ist es, die Einhaltung der Grundsätze und Richtlinien für den gesamten Rundfunkbetrieb zu überwachen, den Intendanten bei der Programmgestaltung zu beraten und das Budgetrecht auszuüben. Seine Vertreter werden entweder von den verschiedenen, in den Landesrundfunkgesetzen festgelegten gesellschaftlichen Gruppierungen (Verbände, Parteien, kommunale Spitzenverbände, Länderparlamente, Landesregierungen) entsandt oder von den Landtagen gewählt. Neben diesen beiden Modellen existieren bei einigen Sendern (z. B. beim ZDF) auch Mischformen.

Auf professionelle Weise können Politiker durch Pressemitteilungen oder durch die Inszenierung von Ereignissen, über die die Medien aufgrund ihrer Berufsnormen berichten müssen, Einfluss nehmen, wie auch – v. a. in den audiovisuellen Medien – durch eine mediengerechte, publikumswirksame Selbstdarstellung.

Es wird vielfach befürchtet, dass die zunehmende Bedeutung von Public Relations und Lobbyorganisationen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft eine Gefahr für die journalistische Unabhängigkeit darstelle. So nehmen Aktivitäten und Arbeitsplätze im »subsidiären Journalismus« ständig zu, d. h. in solchen Bereichen, die die eigentliche journalistische Arbeit durch Herausgabe von Texten und Veröffentlichungen, die im Interesse eines Unternehmens oder einer Institution verfasst sind (PR-Berichte), zu beeinflussen suchen. Andererseits sind Journalisten zunehmend auf Informationen von Regierungsstellen, Behörden, Verbänden und öffentlichen Institutionen angewiesen, da die Möglichkeiten eigener Recherche aufgrund des Zeitdrucks und der ständig anwachsenden Themenvielfalt begrenzt sind. Die früher eng gezogenen Grenzen zwischen Journalismus und PR sind, auch infolge der etwa Ende der 1980er-Jahre einsetzenden Professionalisierung in der Öffentlichkeitsarbeit, durchlässiger geworden. Auch die Fluktuation zwischen beiden Berufsgruppen hat zugenommen.

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Das Berufsbild des Journalisten

Die gesetzlich nicht geschützte Berufsbezeichnung Journalistwird für publizistisch tätige Personen verwendet, die Informationen sammeln, auswerten und prüfen und sie analysierend, kommentierend oder unterhaltend aufbereiten, um sie über die Massenmedien an die Öffentlichkeit zu vermitteln. Charakteristisch für das Berufsfeld Journalismus in Deutschland ist sein offener Zugang, d. h., es gibt keine verbindlichen und normierten Zulassungsvoraussetzungen oder Ausbildungswege beziehungsweise rechtliche Regelungen der Ausbildung. Der freie Berufszugang folgt aus Artikel 5 GG, in dem die jedem Bürger zustehende Meinungsäußerungs- und -verbreitungsfreiheit sowie das Recht auf freien Zugang zur Information festgeschrieben sind. Journalisten üben durch ihre Arbeit eine so wichtige gesellschaftliche Funktion aus, dass eine staatliche Reglementierung ihrer beruflichen Tätigkeit einem Verstoß gegen die Presse- und Rundfunkfreiheit gleichkäme.

Die Rechtsstellung der Journalisten und der freien Mitarbeiter innerhalb der Redaktion und des Verlags sowie die Beziehungen der Redakteure zum Verleger, Herausgeber und Chefredakteur werden mit dem Begriff »innere Pressefreiheit« umschrieben. Der Verleger als Eigentümer eines privatwirtschaftlichen Unternehmens hat das Recht, die grundsätzliche politische Ausrichtung seines Blattes zu bestimmen (»Grundsatzkompetenz«), während die »Detailkompetenz«, d. h. die Haltung zu tagesaktuellen Themen und Ereignissen, den Redakteuren zusteht. Die »Richtlinienkompetenz«, d. h. die Entscheidungsbefugnis über die Haltung einer Zeitung bei neu auftretenden Themen, die von Bedeutung für die allgemeine publizistische Linie der Zeitung sind (z. B. bei Kriegen, in Krisen- und Konfliktsituationen), wird in der Regel vom Chefredakteur (beziehungsweise den Chefredakteuren) oder vom Herausgeber ausgeübt. An die Stelle der in den 1960er- und 70er-Jahren vorherrschenden Sorge über eine mögliche politische Einflussnahme des Verlegers ist jedoch heute weitgehend das Problem eines immer stärker werdenden Konkurrenzdrucks und damit der Zwang zur Lieferung eines wirtschaftlich erfolgreichen Medienprodukts getreten, dem die Chefredaktion und die übrigen redaktionellen Mitarbeiter gleichermaßen unterliegen.

In Deutschland waren 2012 laut Deutschem Journalisten-Verband (DJV) etwa 72 500 Journalisten hauptberuflich tätig, davon arbeiten 26 000 freiberuflich und etwa 3 000 als Volontäre; von den rd. 43 500 fest angestellten Journalisten sind etwa 13 500 bei Tages- und Wochenzeitungen, 9 000 bei Zeitschriften und Anzeigenblättern, 9 000 im Rundfunk und 4 000 im Bereich Online/Multimedia beschäftigt, des Weiteren etwa 7 000 bei Pressestellen und 1 000 in Nachrichtenagenturen und Pressebüros. – Die Einführung des privaten Rundfunks, die Digitalisierung und das Aufkommen der Onlinemedien führten in den 1980er- und 90er-Jahren zu einer Expansion der Medien- und Werbebranche und zu einem regelrechten Boom des Journalismus sowie zur Entstehung neuer Berufe wie Onlineredakteur, Onlineresearcher, Mediendokumentar, Infografiker oder Screendesigner. Dies änderte sich 2001, als die Medien aufgrund des weltweiten Konjunktureinbruchs und des Zusammenbruchs der Neuen Ökonomie in eine jähe Krise stürzten und besonders Zeitungsverlage, aber auch Nachrichtenagenturen und private Rundfunkanstalten massive Personalkürzungen vornahmen. Die Zahl arbeitsloser Journalisten stieg zwischen 2000 und 2003 von 700 auf 7 000; gleichzeitig sank die Zahl der fest angestellten Mitarbeiter in Medienbetrieben von 72 % auf 65 %. Immer mehr Journalisten taten den Schritt in die Selbstständigkeit (»Ich-AG«) oder gründeten Journalistenbüros. Erst ab 2004 ging die Zahl der arbeitslosen Journalisten wieder zurück, um ab 2010 wieder zuzunehmen. Angesichts der weiterhin steigenden Digitalisierung und der starken Konzentrationsbewegung in der Medienlandschaft wird der Markt zukünftig weniger Journalisten Platz bieten. Berufsfelder wie PR-Arbeit/Werbung/Journalismus werden sich stärker vermischen, der Umgang mit den digitalen Medien wird vorausgesetzt.

Journalistische Darstellungsformen und Berichterstattungsmuster

Journalistische Darstellungsformen sind NachrichtReportageFeatureInterview, Rundgespräch (Diskussion besonders im Fernsehen), LeitartikelKommentarKolumneGlosse und Essay. Eine neue Publikationsform bilden die Weblogs (»Onlinetagebücher«), die aufgrund ihrer aktuellen Inhalte und kommentierten Links journalistische Funktionen wahrnehmen und damit – wie auch Peer-to-Peer-Angebote und Nachrichtenportale kommerzieller Anbieter – in Konkurrenz zu bestehenden journalistischen Formen treten. Inwieweit sie diese allerdings langfristig beeinträchtigen oder gar ablösen können (z. B. im Hinblick auf eine jüngere, mit dem Computer aufgewachsene und den Tageszeitungen weniger zugewandte Zielgruppe), bleibt abzuwarten.

Im Verlauf der Pressegeschichte durchlebte der Journalismus verschiedene Erscheinungsformen; auch gibt es in einzelnen Ländern zum Teil unterschiedliche Ausprägungen von Journalismus: Informations- oder Interpretationsjournalismus, aktiver oder passiver, neutraler oder anwaltschaftlicher, liberaler, sozialistischer oder parteiischer Journalismus sowie negative Ausprägungen wie »Tendenzjournalismus«, »Gesinnungsjournalismus«, »Verlautbarungsjournalismus« (kritiklose Übernahme von PR-Texten), »Hofberichterstattung« (Journalisten als Sprachrohr von Entscheidungsträgern in Politik, Wirtschaft und Kultur), »Scheckbuchjournalismus« (Ankauf von Informationen) oder sich an der Grenze des Erlaubten bewegender »Borderlinejournalismus« sind nur einige von mehreren Typologien, mit denen versucht wird, die verschiedenen Rollen des Journalismus in der Gesellschaft zu beschreiben. In den USA wurden im 19. Jahrhundert zwei Berichterstattungsmuster entwickelt, die inzwischen für die meisten Journalismussysteme westlichen Typs mehr oder weniger prägend geworden sind: der Informationsjournalismus und der investigative Journalismus. Aufgrund unterschiedlicher institutioneller (Finanzstärke der Medienunternehmen, Druck der Werbebranche) und rechtlicher Bedingungen (Zugang von Journalisten zu Regierungsunterlagen) bleibt der investigative Journalismus eher eine nordamerikanische Besonderheit, während er sich in Deutschland bisher nur vereinzelt (z. B. »Der Spiegel«, »Süddeutsche Zeitung«, »taz«, politische TV-Magazine) durchsetzen konnte. Hier ist eher der neutrale Informationsjournalismus anzutreffen; allerdings hat im Zeitalter der elektronischen Medien und einer zunehmend bilderbestimmten Welt der Unterhaltungsjournalismus deutliche Zuwächse zu verzeichnen.

Ethische Grundsätze

In den meisten demokratischen Ländern haben die Berufsverbände der Journalisten ethische Leitsätze kodifiziert. Der Deutsche Presserat als freiwilliges Selbstkontrollorgan der Printmedien in Deutschland formuliert in seinen 1973 aufgestellten, 2001 um Richtlinien zum Datenschutz erweiterten publizistischen Grundsätzen (»Pressekodex«) die Regeln für einen fairen Journalismus. Leitlinien der journalistischen Arbeit sind neben einer gründlichen, auf unlautere Methoden verzichtenden Recherche die klare Trennung von redaktionellem Text und Anzeigen, die Achtung von Privatleben und Intimsphäre des Menschen sowie die Vermeidung unangemessen sensationeller Darstellung von Gewalt und Brutalität. Oberstes Gebot (§ 1 des Pressekodex) sind die Beachtung der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit. Gefordert werden höchstmögliche Neutralität, Sachlichkeit, Vollständigkeit und Glaubwürdigkeit. Objektivität wird als normative Erwartungshaltung an die Journalisten gesehen, ihre Berichterstattung von subjektiven Einflüssen möglichst frei zu halten.

Ein weiterer wichtiger publizistischer Grundsatz ist die journalistische Sorgfaltspflicht, zu der es gehört, dass die Presse alle Nachrichten und Informationen vor ihrer Verbreitung mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf Wahrheit, Inhalt und Herkunft der Quelle prüft. Ihr Sinn darf durch Bearbeitung, Überschrift oder Bildbeschriftung weder entstellt noch verfälscht werden. Da es jedoch häufig notwendig ist, Meldungen und Berichte wegen eines hohen aktuellen Informationsinteresses schnell zu veröffentlichen, hat der Journalist stets abzuwägen – insbesondere dort, wo die Rechte Dritter betroffen sind –, ob die Brisanz der Nachricht eine Veröffentlichung rechtfertigt, auch wenn die Angaben hier nicht in allen Einzelheiten überprüft wurden. Der Deutsche Presserat kann bei Verstößen gegen den Pressekodex Rügen aussprechen, die in besonders gravierenden Fällen von den jeweiligen Zeitungen abgedruckt werden müssen; rechtliche Konsequenzen ergeben sich für die Presseorgane daraus aber nicht.

Negative Ausprägungen des Journalismus wie z. B. der Trend zur »Boulevardisierung« in allen Mediengattungen werden von den Journalistenverbänden, auch international, unter dem Stichwort »publizistische Qualitätssicherung« diskutiert; neu belebt wurde diese Debatte nach den Terroranschlägen in den USA am 11. 9. 2001, aber auch im Gefolge von Skandalen um gefälschte Berichte (»Fakes«) in angesehenen Zeitungen, v. a. in den USA. Verlangt werden die Abgrenzung von journalistischer Arbeit zu PR und/oder Werbung, sorgfältige Recherche und Unabhängigkeit in der Berichterstattung sowie erkennbare Distanz zum Ereignis, Differenziertheit und Berücksichtigung der Vielfalt der Meinungen. Statt einer »Tyrannei der Aktualität« sei eine verstärkte Vermittlung von Zusammenhängen in Analysen und Hintergrundberichten zu leisten, des Weiteren müsse insbesondere in der Katastrophen- und Kriegsberichterstattung ein geschärftes Bewusstsein für die Macht emotionsgeladener Bilder entwickelt werden. In der wieder entstandenen medienethischen Diskussion forderten Politiker und Wissenschaftler ferner die Ausweitung des Pressekodex auf einen für alle Medien verbindlichen Journalismuskodex und die Erweiterung des Deutschen Presserats zu einem medienübergreifenden Journalismusrat, dem neben Mitgliedern der Journalisten- und Verlegerverbände Vertreter der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten wie auch der für den Privatfunk zuständigen Landesmedienanstalten angehören sollten.

Journalistische Ausbildung

Der traditionelle Ausbildungsweg zum Journalismus ist das Redaktionsvolontariat bei Zeitungen, Zeitschriften, Nachrichtenagenturen oder im Rundfunk. Aufgrund der gestiegenen Anforderungen und der fortschreitenden Professionalisierung im Journalismus wurden seit den 1970er-Jahren Journalistikstudiengänge als Diplomstudiengang oder Aufbaustudium eingeführt, die im Unterschied zu den bestehenden Studiengängen der Publizistik und Kommunikationswissenschaft theoretische Lehrinhalte mit journalistischem Praxiswissen verbinden. Seit Ende der 1990er-Jahre existieren darüber hinaus verschiedene Ausbildungsgänge in den Bereichen Multimedia, Mediengestaltung, Medieninformatik und Onlinejournalismus an mehreren Fachhochschulen sowie an einigen privaten Fortbildungsakademien. Weitere Ausbildungsstätten sind freie oder verlagseigene Journalistenschulen sowie Einrichtungen von Rundfunkanstalten, Kirchen oder Journalistenverbänden, deren Schwerpunkt auf der Vermittlung der Berufspraxis liegt (z. B. Deutsche Journalistenschule, München; Berliner Journalisten-Schule; Henri-Nannen-Schule, Hamburg/Berlin; Burda Journalistenschule, München; Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten, Düsseldorf; RTL-Journalistenschule, Köln; Evangelische Medienakademie/Journalistenschule, Berlin; Institut zur Förderung des publizistischen Nachwuchses/Katholische Medienakademie [ifp], München; Deutsche Hörfunkakademie, Dortmund; Bayerische Akademie für Fernsehen, München).

Journalistenverbände

In der Bundesrepublik Deutschland bestanden seit 1949 der Deutsche Journalisten-Verband, DJV (Deutscher Journalisten-Verband e. V. – Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten) und seit 1951 die Berufsgruppe der Journalisten und Schriftsteller, später Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union, dju. Während der DJV die Interessen seiner Mitglieder in einer eigenständigen Journalistengewerkschaft vertreten wollte, schloss sich die bereits 1951 der IG Druck und Papier beigetretene dju 1989 mit dem Südwestdeutschen Journalisten-Verband (SWJV), der Rundfunk-Fernseh-Film-Union (RFFU) und dem Verband Deutscher Schriftsteller (VS) aus der Gewerkschaft Kunst zur IG Medien – Druck und Papier, Publizistik und Kunst innerhalb des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zusammen und bildete dort die Fachgruppe Journalismus (dju/SWJV). Nach dem Zusammenschluss der IG Medien mit vier anderen Industriegewerkschaften zur Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft e. V. (ver.di) 2001 gehört sie als Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di zum ver.di-Fachbereich Medien, Kunst und Industrie. Weitere Interessenverbände sind u. a. der Deutsche Presseverband e. V. (DPV), die Vereinigung der Rundfunk-, Film- und Fernsehschaffenden (VRFF) im Deutschen Beamtenbund (DBB) und der Deutsche Fachjournalisten-Verband e. V.

In Österreich entstand am 1. 10. 2001 durch Eingliederung der Sektion Journalisten aus der Gewerkschaft Kunst, Medien, Sport und freie Berufe (KMSfB) in die Gewerkschaft Druck und Papier die neu formierte Gewerkschaft Druck, Journalisten und Papier (DJP) im Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB). Daneben existiert als Berufsverband der Österreichische Journalistenclub (ÖJC).

In der Schweiz ist die Schweizerische Journalistenunion (SJU) in der Mediengewerkschaft comedia mit den sechs Sektoren Druck, Presse, Buch- und Medienhandel, Online- und elektronische Medien, Werbung/Grafik und Verpackung/Buchbinderei aufgegangen. Daneben gibt es als Gewerkschaft der Angestellten in den elektronischen Medien das Schweizer Syndikat Medienschaffender (SSM) sowie als Berufsverband den Schweizer Verband der Journalisten und Journalistinnen (SVJ).

Auf internationaler Ebene agieren die Internationale Journalisten-Föderation (IFJ), Brüssel, mit einer Untergruppe Europäische Journalisten-Föderation (EFJ), der Weltverband Deutschsprachiger Journalisten (WDJ), Köln, sowie verschiedene für die Achtung der Menschenrechte und die Verteidigung der Medien- und Pressefreiheit eintretende Organisationen wie das Internationale Presseinstitut (IPI), Wien, das Committee to Protect Journalism (CPJ), New York, oder die Vereinigung Reporter ohne Grenzen, Paris.

Geschichtliche Entwicklung des Journalistenberufs

Die früheste, auch als »präjournalistisch« bezeichnete Periode des Journalismus wurde von mündlich übertragenen Nachrichten der Sendboten und Spielleute auf Jahrmärkten und öffentlichen Plätzen bestimmt. Seit der Zeit der ersten regelmäßig erscheinenden, gedruckten Zeitungen im frühen 17. Jahrhundert wurden Nachrichten und Berichte von nebenberuflichen Korrespondenten (Diplomaten, Beamte, Sekretäre, Stadtschreiber, Handelsleute) an Drucker und Postmeister geliefert, die sie ohne redaktionelle Bearbeitung und ohne Bewertung der Meldungen abdruckten und verbreiteten. Mit dem Entstehen eines literarisch-publizistischen Marktes im 18. Jahrhundert und der Gründung zahlreicher Zeitschriften kam der Typ des sich aus fürstlicher Patronage oder vom Hofbeamtentum lösenden freien schriftstellerischen Journalisten auf, der weniger durch aktuelle Berichterstattung als durch kritisch-räsonierende Abhandlungen über literarische, philosophische, pädagogische und politische Themen wirken wollte. Mit dem Entstehen der langlebigen »Verlegerzeitungen« (D. Baumert) im ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhundert bot sich die Möglichkeit, den Beruf des Journalisten im Angestelltenverhältnis mit Dienstvertrag und festem Gehalt auszuüben. Doch erst mit der Expansion des Pressewesens, bedingt durch technische Fortschritte in der Satz- und Drucktechnik, schnellere Nachrichtenübermittlung und die Aufhebung der Zensur, gab es in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts einen größeren Bedarf an hauptberuflichen Journalisten. Die Professionalisierung war begleitet von ersten Bestrebungen zur Gründung eines eigenen Berufsverbandes. 1864 fand in Eisenach der erste Deutsche Journalistentag statt; 1895 wurde der »Verband deutscher Journalistenvereine« gegründet, der 1910 im »Reichsverband der deutschen Presse« aufging (Vorläufer des Deutschen Journalisten-Verbands).

Werke

Weiterführende Literatur:

J. Ludwig: Investigativer Journalismus (22007);
E. Fricke: Recht für Journalisten. Presse – Rundfunk – Neue Medien (22010);
S. Ruß-Mohl: Journalismus. Das Hand- u. Lehrbuch (22010);
S. Sigler: Online-Medienmanagement: Grundlagen, Konzepte, Herausforderungen(2010);
T. Birkner: Das Selbstgespräch der Zeit. Die Geschichte des Journalismus in Deutschland 1605–1914 (2011);
N. Frei, J. Schmitz: Journalismus im Dritten Reich (42011);
S. Hofert: Erfolgreich als freier Journalist (2012);
ABC des Journalismus, hg. v. C. Mast (122012);
W. Schneider, P.-J. Raue: Das neue Handbuch des Journalismus und Online-Journalismus (2012);
C. Neuberger, P. Kapern: Grundlagen des Journalismus (2013);
L. Kramp, L. Novy u. a.: Journalismus in der digitalen Moderne (2013);
W. v. LaRoche: Einführung in den praktischen Journalismus. Mit genauer Beschreibung aller Ausbildungswege. Deutschland, Österreich, Schweiz (202017);
M. Lampert, R. Wespe: Storytelling für Journalisten (42017).

 

Artikel aus der Brockhaus Enzyklopädie.

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