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Braunkohle

Braunkohle, gelb- bis schwarzbraune Kohle mit niedrigem Inkohlungsgrad. Im Gegensatz zur Steinkohle gibt Braunkohle auf einer weißen Porzellantafel (Strichtafel) einen braunen Strich und beim Kochen mit Kalilauge eine dunkelbraune Färbung. Man unterscheidet Weich- und Hartbraunkohle: Weichbraunkohle, die aus einer Grundmasse von Humussäuren mit Resten von Holz (Xylit) besteht, hat einen Wassergehalt von 45–60 %, in wasser- und aschefreiem Zustand einen Kohlenstoffgehalt von 65–70 % und einen Heizwert von 8 000 bis 11 000 kJ/kg (13 des Heizwertes der Steinkohle). Als Mazerale, d. h. mikroskopisch erfassbare Einzelbestandteile, enthält sie Humit, Liptinit und Inertit. Hartbraunkohle ist ohne sichtbare holzige Einschlüsse und hat einen Wassergehalt von 10–30 %. In wasser- und aschefreiem Zustand weist sie einen Kohlenstoffgehalt von 70–75 % und einen Heizwert von 15 000 kJ/kg auf.

Braunkohle: Tagebau Hambach
Durch den Braunkohleabbau entstehen große Flächen, die mit hohen Aufwand rekultiviert werden müssen.

Braunkohle stammt überwiegend aus dem Tertiär (Ausnahme v. a. im Moskauer Becken mit unterkarbonischer Braunkohle) und wird überwiegend im Tagebau gewonnen. Dabei müssen je Tonne Braunkohle etwa 3–7 m3 Abraum bewegt und bis 8 m3Wasser gehoben werden. Man setzt Schaufelradbagger (Schaufelrad mit 7–9 Schaufeln) mit Tagesleistungen von mehreren Hunderttausend m3 oder Förderbrücken und Endlosförderbänder mit hohen Transportleistungen ein.

Kohlekraftwerk: Braunkohlekraftwerk Niederaußem
Zum Braunkohlekohlekraftwerk Niederaußem gehört der zweithöchste Kühlturm der Welt. Er ist 200 Meter hoch.

Der großflächige Tagebau erforderte in der Vergangenheit vielfach erhebliche Umsiedlungsmaßnahmen und führte zu starken Umweltveränderungen, v. a. im Wasserhaushalt. Abgebaute Tagebaubetriebe können mit hohem Aufwand durch Rekultivierung einer anderen Nutzung (Wald, landwirtschaftliche Nutzflächen, Erholungsgebiete u. a.) zugeführt werden. Häufig werden die Tagebaurestlöcher auch geflutet.

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Wirtschaft: Wesentliche Bedeutung hat die Braunkohle als Brennstoff in der Elektrizitäts- und Fernwärmeerzeugung, sie ist zu rd. 40 % an der Primärenergiegewinnung in Deutschland beteiligt (2017) und somit wichtigster heimischer Energieträger. Die Verwendung als Hausbrand ist stark zurückgegangen, auch als chemischer Rohstoff spielt sie kaum noch eine Rolle. Wegen ihrer bröseligen Beschaffenheit sowie des hohen Wassergehalts und aufgrund des zunehmend ungünstiger werdenden Verhältnisses von Abraum zu Braunkohle fallen die Transportkosten immer stärker ins Gewicht, sodass rohe Braunkohle nur in ortsnahen Kraftwerken verfeuert wird. Die Braunkohlevorrräte in Deutschland werden auf 73 Mrd. t geschätzt, von denen etwa 36 Mrd. t als wirtschaftlich abbaubar gelten. Hierzulande wurden 2017 rd. 172 Mio. t Braunkohle gefördert, davon 91,2 Mio. t im Revier Rheinland, 61,2 Mio. t im Revier Lausitz, 18,8 Mio. t im Revier Mitteldeutschland und 1,1 Mio. t im Revier Helmstedt (am 30. 8. 2016 stillgelegt). Rd. 90 % der Braunkohle wurde in Kraftwerken zur Erzeugung von 157 TWh Elektroenergie eingesetzt. Ende 2017 waren nach langjährigem Personalabbau nur noch rd. 20 800 Personen im Braunkohlenbergbau beschäftigt, davon etwa jeweils die Hälfte in den neuen bzw. alten Bundesländern.

Garzweiler
Gigantischer Schaufelradbagger in Garzweiler II: Umweltschützer kritisieren das Tagebauprojekt, das zu den größten in Europa zählt.

2015 beschloss die Bundesregierung einen Teilausstieg aus der Braunkohle. Acht alte Braunkohlekraftwerke mit einer Kapazität von 2 700 Megawatt, die besonders viel Kohlendioxid ausstoßen, sollen schrittweise stillgelegt werden, um die nationalen Klimaziele für 2020 zu erreichen.

Werke

Weiterführende Literatur:

H. Pätz u. a.: Kohle – ein Kapitel aus dem Tagebuch der Erde (Leipzig 21989);
S. Ueberhorst: Braunkohle für Industrie u. Haushalt (1993);
Braunkohlentagebau u. Rekultivierung, hg. v. W. Pflug (1998);
L. Eißmann: Die Erde hat Gedächtnis. 50 Millionen Jahre im Spiegel mitteldeutscher Tagebaue (2000);
Braunkohle in Deutschland 2015. Profil eines Industriezweiges, hg. Deutscher Braunkohlen- Industrie-Verein e. V. (2015).

 

Artikel aus der Brockhaus Enzyklopädie.

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