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Advent

Advent [lateinisch »Ankunft«] der, -s/-e, Plural selten,christliche Kirchen: die seit dem 5. Jahrhundert bezeugte Zeit des Fastens und der Vorbereitung auf das Fest der Geburt Christi und auf seine endzeitliche Wiederkunft. Die liturgische Farbe des Advents ist Violett. Mit dem 1. Advent, dem 4. Sonntag vor Weihnachten, beginnt in den westlichen Kirchen auch das Kirchenjahr.

Die Weihnachtsbäckerei ist in vielen Familien fester Bestandteil der Adventszeit.

Geschichte: Wohl im Ansatz seit dem 5. Jahrhundert in Italien belegt, wurde die Adventsliturgie Anfang des 7. Jahrhunderts in Rom festgelegt (u. a. schon mit vier Adventssonntagen). Nach kirchlicher Lehre soll damit auf die 4000 Jahre bis zur Ankunft des Erlösers hingewiesen werden.

 

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Volkskunde: Die Adventszeit, die als Vorbereitungszeit der Weihnachtszeit zusammen mit dieser seit dem 6. Jahrhundert den Weihnachtsfestkreis bildet, ist reich an Volksbräuchen, die sich auf die Ankunft des Erlösers beziehen, auch auf die Jahreswende, für die im Mittelalter die Nacht vor Lucia als längste des Jahres galt (heute: SilvesterNeujahr). Als älteste Brauchschicht werden nächtliche Lärmumzüge Vermummter angenommen und auf vorchristliche Dämonenkulte zurückgeführt; doch sind auch urtümlich wirkende, im Alpenraum noch oder wieder lebendige Brauchformen, meist mit der Einkehr des heiligen Nikolaus (Nikolaus von Myra) verbundene Maskentypen, erst für die nachmittelalterliche Zeit, ab 15. Jahrhundert, nachzuweisen (»Kläuse«). Im 17. Jahrhundert erfuhren die Adventsbräuche einen stärkeren Bezug zur Weihnacht. Das »Klöpfeln« (Klöpfelnächte), in Südtirol »Anklöckeln«, stellte nun die Herbergssuche von Maria und Joseph dar. Das Kirchenlied gewann Einfluss auf den Ansingebrauch (Adventssingen). Gleichzeitig entstanden im mitteldeutschen Protestantismus an den Schulen, und von hier bald weiter ausstrahlend, Adventsspiele, in denen die Einkehr eines jugendlichen Christkinds (»Christfahrten«) lehrhaftem Zweck dient. Im katholischen Westfalen hielt sich der Brauch, allabendlich bis Weihnachten mit Adventshörnern den »heiligen Christ herabzublasen« (Adventsblasen).

Die Ursprünge des Adventskranzes aus Tannengrün mit vier Kerzen gehen auf die Kerzenandachten des Theologen J. H. Wichern um 1840/50 zurück (Hamburg, Rauhes Haus; Holzreif mit 24 Kerzen, 1851 erstmals mit Tannengrün geschmückt, auch Vorläufer des Adventskalenders). Seit dem Ersten Weltkrieg bürgerte sich der Adventskranz in Norddeutschland, um 1930 im ganzen deutschen Sprachraum ein.

 

Artikel aus der Brockhaus Enzyklopädie.

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